10178 Berlin, Weinmeisterstraße 5, Tel: +49 (0)30 282 97 47, info@lesart.org
Vom 11. bis 18. Juni fanden bei LesArt drei Literarische Abendbrot- und zwei Literarische Mittagstische statt.
Zu Beginn durchliefen die Teilnehmerinnen jeweils zu zweit einen Parcours mit zehn verschiedenen Stationen, an denen sie sich unter anderem im Olympischen Gehen (12 Süßigkeiten und zwei Todesfälle) und Ping-Pong-Spielen (Meine Geschichten von Mutter und Tochter) erprobten, sich gegenseitig porträtierten (George und Lenny), gemeinsam Walzer tanzten (Simone) sowie beim Teetrinken auch darüber sprachen, wie man sich „gegen das Unerbittliche wappnen“ kann (Geschichten aus dem Mumintal).
Nach dem Erfahrungsaustausch über die durch das gemeinsame Handeln gestärkten Zweisamkeiten lernten die Gäste in neuen Zweier-Kombinationen zehn literarische Paare anhand ihrer Porträts kennen. Weitere Informationen in Bild- und/oder Text luden zum Spekulieren über das Verhältnis beider Figuren zueinander ein – und über das Wesen, den Charakter ihrer Beziehung.
Jeweils zehn Verben aus den Büchern Mit dem Sturm um die Wette rennen und Inseltage mit Rosa trugen die Teilnehmer in zwei verschiedene Sturmsituationen. Miteinander verschränkte Textausschnitte aus beiden Büchern ließen sie zum einen in eine Notsituation eintauchen (Inseltage mit Rosa) und zum anderen die Abenteuer- und Entdeckungslust zweier Kinder nachvollziehen, welche sich geradezu in einen Sturm hineinstürzen.
Welchen Stürmen die Protagonisten der Bücher Ingrid und Paul und Unser Schmerz ist unsere Kraft ausgesetzt waren bzw. noch sind, galt es in vier Arbeitsgruppen zu ergründen. Die angeregte Diskussion führte zu Fragen wie: Welchen Einfluss haben gesellschaftliche Veränderungen auf jeden einzelnen Menschen? Welche Handlungsmöglichkeiten gab bzw. gibt es in Situationen von Kontrollverlust, Machtmissbrauch und Ungerechtigkeit? Welche Rolle spiel(t)en machtausübende gesellschaftliche Mehrheiten, sowohl während der nationalsozialistischen Diktatur als auch zur Zeit der NSU-Morde und deren Aufarbeitung?
Einer Gesellschaft an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit begegneten die Gäste dann im Saloon von Windy Mountain, wo die Vorkommnisse im benachbarten Dusty Hill einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hatten. Mit dem Bilderbuch Fünf Fremde in Dusty Hill, einer ironischen Geschichte über Vorurteile und Ausgrenzung, endete die Veranstaltung heiter-ernsthaft, denn: Könnte „so etwas“ auch „bei uns“ passieren?
Bereits zum dritten Mal kooperierte LesArt bei den Literarischen Mahlzeiten mit dem Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins, sodass angehende Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste der Berliner Bibliotheken an einem Vormittag zu Gast bei LesArt waren. Darüberhinaus war es durch eine Spende aus der Produktion Heros – Alexander Scheer singt David Bowie möglich, zehn Stipendienplätze an sieben Studierende drei Schüler zu vergeben. Vielen Dank dafür.
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