Vorwort
Liebe Freunde des Roten Elefanten,
pünktlich wie die Maurer kommt im Herbst ein Roter Elefant, diesmal Heft 27.
Die 70 Bausteine, ausgewählt aus Neuerscheinungen des letzten Jahres, setzen sich zusammen aus 30 Bilderbüchern, 23 Kinderbüchern und 17 Jugendbüchern, ergänzt durch mediale Adaptionen. Apropos Maurer! Ein Maurer, dessen breite Schultern Vögeln einen Nistplatz bieten, dominiert das Sachbilderbuchcover »Was tun!?.« (DJLP-Nominierung 2009).
Die Zeichensetzung im Titel provoziert Nachdenken (Lenin lässt grüßen!). Der Maurer blickt ins Blaue: Was tun!?. »... obwohl es noch traditionelles Arbeiten gibt..., lösen sich die festen Vorstellungen von Arbeit auf und führen zum Nachdenken über eine ,Beschäftigungsgesellschaft’, in der die Grenzen von Lohnarbeit und Freizeitaktivitäten verschwinden«, heißt es in der Rezension. Ein postmodernes, adressatenoffenes Bilderbuch, das in jeden Gemeinschaftskundeunterricht gehört.
Aufforderung, Frage- und Feststellung gelten für alle im Kapitel »Was tun!?.« vorgestellten Bücher, worin Kindern und Jugendlichen differenzierte Informationen und Hintergründe für ein genaueres Welt-Verständnis angeboten werden.
Besonders verwiesen sei auf die Sachbücher »Moderne Sklaverei«, »Uns gehört die Welt - Macht und Machenschaften der Multis« und »Afterschock«. Letzteres dokumentiert die Folgen des Selbstmordattentates einer 18-jährigen Palästinenserin, die sich 2002 in einem Supermarkt in die Luft sprengte. Terrorismus und Krieg, verbunden mit Maximalprofiten, sind nach wie vor die Ursachen dafür, dass täglich Menschen vor ihrer Zeit sterben.
Aber Tod und Sterben sind nicht nur in politischen Kontexten mit Heranwachsenden zu diskutieren, sondern auch als philosophisch-individuelles Problem. Diese Auseinandersetzung wird von erwachsenen Literaturvermittlern leider immer noch häufig vermieden. Das erfahren LesArt-Mitarbeiter, die auch für den Roten Elefanten rezensieren, immer wieder:
in Veranstaltungen mit Kindern, in denen Erwachsene nur Begleiter sind, oder ganz direkt in Fortbildungen mit Lehrern, Bibliothekaren, Erziehern, Lesepaten.
In der Kinder- und Jugendliteratur sind Tod und Sterben seit langem kein Tabu mehr.
Erinnert sei an Altmeisterin Astrid Lindgren. In dieser schwedischen Tradition stehen Bücher wie »Kannst du pfeifen, Johanna?« von Ulf Stark und Anna Höglund (DJLP 1994), »Und was kommt dann?« von Pernilla Stalfelt (DJLP-Nominierung 2001) oder «Die besten Beerdigungen der Welt« von Ulf Nilsson und Eva Eriksson (DJLP-Nominierung 2007).
In der deutschen Bilderbuchlandschaft sei besonders auf »Hat Opa einen Anzug an?« (DJLP 1998) oder »Gehört das so?« von Peter Schössow (DJLP 2006) verwiesen.
Im vorliegenden Heft 27 widmet sich ein Kapitel explizit dem Thema. Darin finden sich so wichtige Titel wie »Tote Maus für Papas Leben« und »Wie man unsterblich wird« (beide DJLP-Nominierung 2009, letzterer von der Jugendjury).
Als Mutmacher und Nachtrag zu Heft 26, wo u. a. »Die schlaue Mama Sambona« und »Ente, Tod und Tulpe« (beide DJLP-Nominierung 2008) empfohlen wurden, findet sich am Heftende ein mehrfach erprobtes Veranstaltungskonzept.
Statt einem ängstlichen »Was tun?« sollte es besser heißen: »Was tun!« |
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