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Berliner Zentrum
für Kinder- und Jugendliteratur
 
















Autoren und Bücher
Rezensionen
 
 
Rezensionen
Die Gruppe der »LesArtigen« diskutiert und rezensiert Kinder- und Jugendbücher, jugendliche Redakteure geben die literaturzeitung berliner jugendlicher xyz. wir für uns heraus.
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Die LesArtigen
Philip Ardagh: Schlimmes Ende. Aus dem Engl. v. Harry Rowohlt, C. Bertelmann Verlag 2002, 125 S., ab 10
... in diesem Buch gibt es viele Wortwiederholungen, wie zum Beispiel »… hielt der Wahnsinnige Onkel Jack an einem Ausspann, der Zum Ausspann hieß.« Wenn man das Buch anfängt zu lesen, findet man diese Wortspiele noch ganz lustig, doch allmählich wird es dann langweilig und - auf gut deutsch gesagt - richtig nervig. Ich habe mich förmlichst gezwungen, das Buch wenigstens bis zur Mitte zu lesen. Deutlicher: Ich finde es grauenvoll und würde es auf gar keinen Fall weiterempfehlen.
Paula, 11 Jahre (Die LesArtigen)

...Versteht mich nicht falsch: Dieses Buch ist irgendwie doof, doch gleichzeitig toll. Hier in diesem Buch sind ein Kind und zwei Erwachsene, die ihren Namen zu Recht tragen, die Wahnsinnige Tante Maud und der Wahnsinnige Onkel Jack... Die Handlunge selbst ist total schräg, aber sehr gut geschrieben. Ich würde es allen, die gerne Verrücktes lesen, empfehlen, aber nicht Kindern unter zehn Jahren, weil ich glaube, dass sie den Witz des Buches nicht verstehen.
Robert, 10 Jahre (Die LesArtigen)

...Für jüngere Leser ist dieses Buch wie geschaffen. Es erklärt schwierige Wörter, die man in einem bestimmten Alter noch nicht kennen kann. ... eine lustige Stelle in dem Buch ... möchte ich euch gerne vorlesen: »Wenn ihr nun meint, ein Greifer wäre doch wohl eher ein Fördergefäß zum Aufnehmen und Heben von Massengütern wie Kohle, Erz, Schotter, Sand usw., so seid ihr entschuldigt und habt ja auch Recht … aber dieser Greifer war eine ganz andere Sorte von Greifer. Er war nämlich ein Greyffer und nach einem Mann namens Geheimrat Greyff benannt, und wenn ihr findet dies hört sich allmählich wie eine Geschichtsstunde an, dann habt ihr wieder Recht -, ich werde mich also kurz fassen. Geheimrat Johann Anton Zebedäus von Greyff (1788 - 1850) erfand am 27. März 1845 die Polizei und nach ihm würden die Polizisten Greifer genannt. Hätte Johann Anton Zebedäus von Soyff geheißen, hätten sie den Spitznamen 'Säufer' abgekriegt; demnach hatten sie noch ganz schön Glück gehabt.« Der Autor hat auch sozusagen in dem Buch mit dem Leser gesprochen, was nett war.
Philipp, 12 Jahre (Die LesArtigen)

Tamara Bach: Marsmädchen. Friedrich Oetinger Verlag 2003, 160 S., ab 12
»Was darf man schon mit 15? Nichts! Nicht mal bis Mitternacht ohne Aufsichtsperson weg oder ein Bier trinken oder rauchen. Dann darf man doch erst recht nicht küssen. Aber verliebt sein, das darf man, das kann einem keiner verbieten. Und wenn es eben Laura ist! Muss ja keiner wissen...« Wenn man das Buch liest, hat man das Gefühl in Miriams Tagebuch oder noch eher in ihren Gedanken zu blättern. Man bekommt einen Einblick in ihre Vorstellungen und Gefühle und hat sogar den Eindruck, dass auch die Sprache des Buches zu ihr gehört. Ein wenig unsicher vielleicht, auf jeden Fall humorvoll, manchmal ein bisschen chaotisch, durcheinander. Obwohl ein heikles Thema behandelt wird, liest sich dieses Buch mühelos und ohne das übliche Nachgrübeln über das Thema. Wahrscheinlich ist es der sehr humorvolle und natürliche Schreibstil, der die Geschichte auflockert. Und man der Meinung ist, egal wie es ausgeht, es ist richtig. So ist das Leben und nicht anders.
Rebecca Hinzmann, 14 Jahre (Die LesArtigen)

Paul Biegel: Die Gärten von Dorr. Aus d. Niederl., Ill. v. Eva Johanna Rubin, Kinderbuchverlag 1974, 245 S., ab 11
Prinzessin Verliermichnicht muss Kommzurück, den Gärtner, der in ein Samenkorn verwandelt wurde, erlösen. Dazu wandert sie zu den Gärten von Dorr. Die Geschichte wird u.a. von einem Landstreicher erzählt, der der Prinzessin folgt, sie aber nie einholt. Er liebt die Prinzessin und will sie schützen und zu ihrem Vater zurückbringen. Seine Sorge um sie macht seine Sichtweise interessant und die Art und Weise, wie er von der Prinzessin spricht, finde ich besonders schön. Mir gefällt dieses Buch sehr gut, da es mit sehr viel Phantasie geschrieben ist und eine wunderbare Sprache verwendet. Das merkt man vor allem immer dann, wenn der Landstreicher erzählt. Es gibt auch einen allwissenden Erzähler, doch der weiß manchmal einfach viel zu viel: hier wird oft zu langatmig und zu genau beschrieben. Außerdem finde ich gut, dass die Geschichte einem Märchen ähnelt. Die Charaktere, die vielen Wesen und Hexen, erinnern mich daran. Und wie im Märchen ist die Prinzessin zum Schluss »glücklich bis ans Ende ihres Lebens«. Das finde ich toll. Deshalb empfehle ich das Buch unbedingt weiter!
Clara Schattauer, 12 Jahre (Die LesArtigen)

Martha Brooks: Wahre Geständnisse eines herzlosen Mädchens. Aus d. kanad. Engl. v. Birgitt Kollmann, Deutscher Taschenbuch Verlag 2004, 236 S., ab 14
Noreen steckt in der Klemme. Sie ist ein chaotisches, misstrauisches, verantwortungsloses Mädchen. Die 17jährige gerät immer wieder in Schwierigkeiten. Diesmal verschwindet sie, weil ihr Freund ihren eigenartigen Liebesbeweis nicht schätzt, mit einem von ihm gestohlenen Pick-up und einem Baby im Bauch nach Pembina Lake. Das Leben der Kleinstadtbewohner bringt Noreen gewaltig aus den Fugen. So tötet sie beinahe den Hund ihrer Gastgeberin, setzt ein Sommerhaus in Brand und zerstört beim Renovieren ein Café. Dabei hat sie das alles doch gar nicht gewollt. Zu ihrem Glück weisen die Bewohner sie trotz allem nicht ab und unterstützen sie. Damit beginnt das Mädchen sich zum ersten Mal zu öffnen und erzählt von seiner Vergangenheit. Martha Brooks versteht es, einen unterhaltsamen, fesselnden Roman zu schreiben. Es ist durch die schöne, atmosphärische Sprache gut möglich, sich in das Leben der Kleinstadt hineinzuversetzen. Originell ist das Ende, das nicht dem ewigen Muster eines Happy ends oder traurigen Schlusses entspricht. Jedoch leidet die Geschichte etwas unter dem ständigen Wechsel zwischen den Charakteren, was zu Verwirrung führt. Viele Geschehnisse wirken sehr konstruiert, wie z.B. dass das Mädchen wegen einer falschen Bewegung ein ganzes Café verunstaltet. Der Titel des Buches ist meiner Meinung nach unpassend, da es hier nicht um Geständnisses, sondern um ganz normale Erzählungen aus Noreens Vergangenheit handelt. Allenfalls die letzte, leider äußerst kitschige Szene erinnert an ein Geständnis. Zu empfehlen ist dieses Buch für Jugendliche, die einen Zeitvertreib suchen.
Anna-Marie Nehl, 16 Jahre (Die LesArtigen)

Melvin Burgess: Doing it. Aus d. Engl. v. Andreas Steinhöfel, Carlsen Verlag 2004, 345 S., ab 16
Ein paar Jugendliche schreiben ihre Gedanken und Erlebnisse auf. In den männlichen Hauptrollen: Benn, Jonathon und Dino, in den weiblichen: Deborah, Jackie und eine Lehrerin! Ihre Gedanken drehen sich um Lust und Liebe, Wünsche, Ängste und Gefühle. »Doing it« von Melvin Burgess ist ein sehr unterhaltsamer Jugendroman. Die Geschichten bauen aufeinander auf und unterstützen jeweils auch die Gedanken der anderen Charaktere. Auffällig ist, dass Burgess doch sehr »typische« Figuren gewählt hat: den Coolen, den Loser, die Beliebte … Es ist ein zentrales Jugendthema, das in dem Roman angesprochen wird - die Angst vor Sex und der Wunsch nach Sex. Melvin Burgess beschreibt die Gedanken, Gefühle und Empfindungen sehr anschaulich und nachvollziehbar. Seine Sprache ist modern und unkompliziert, zum Teil aber auch sehr deutlich und drastisch. Gerade wegen seiner Sprache ist der Roman sehr umstritten. In Burgess' Heimat England war er oft Thema von Literaturkritikern, die ihn aber zum Teil auch schätzen. In vielen Kolumnen und Tageszeitungen wird für ihn geworben.
Sarah Müller, 16 Jahre (Die LesArtigen)

Michael Dorris: Morgenlicht und Sternenwächter. Aus dem Engl. v. Uwe-Michael Gutzschhahn, Ill. von Quint Buchholz, Ravensburger Buchverlag 1995, 93 S., ab 10
Dieses Buch erzählt vom Erwachsenwerden und davon, wie schwer das manchmal sein kann. Es handelt von zwei Geschwistern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Morgenlicht liebt den Morgen, Sternenwächter den Abend. Ihre Gefühle und ihr Blick auf die Welt sind wie Tag und Nacht. Trotzdem verstehen sie sich und halten zusammen, wenn es darauf ankommt. Die Kapitel wechseln zwischen zwei Perspektiven. So hat die Geschichte eine weibliche und eine männliche Stimme. Diesen Wechsel finde ich sehr interessant, denn in anderen Büchern ist er nicht so deutlich zu erkennen (oder gar nicht vorhanden)! Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Christoph Columbus landete 1492 auf der Insel, auf der Morgenlicht und Sternenwächter leben. Über dieses Erlebnis verfasste er einen Tagebucheintrag, der als Epilog im Buch abgedruckt ist. In der Geschichte tauchen am Ende Fremde auf, die von Morgenlicht und Sternenwächter willkommen geheißen werden. So wird deutlich, woher der Autor weiß, wie Morgenlicht und Sternenwächter leben. Diesen geschichtlichen Hintergrund finde ich sehr spannend. Das Buch hat wunderschöne Illustrationen von Quint Buchholz, die die ruhige Stimmung der Geschichte gut erfassen. Sie zeigen vor allem Natur: den Sonnenaufgang, den weiten Sternenhimmel, das Meer, den Strand. Und natürlich auch die beiden Kinder. In der Geschichte passiert nicht sehr viel, aber das hat mich nicht gestört. Sie ist einfach sehr schön erzählt.
Clara Schattauer, 12 Jahre (Die LesArtigen)

»Morgenlicht und Sternenwächter« sind zwei unterschiedliche Geschwister. Morgenlicht liebt es, morgens aufzustehen, wenn alle anderen noch schlafen und die Sonne aufgeht. Sternenwächter hingegen ist abends gerne wach, denn er liebt es die Sterne anzuschauen. Er geht erst ins Bett, wenn Morgenlicht aufsteht. Morgenlicht meint Sternwächter, dass nervt, weil er immer überall reinredet. Sternenwächter meint, Morgenlicht mischt sich in Sachen ein, die sie nichts angehen. Eine Geschichte, die in zwei Perspektiven aufgeschrieben ist: einmal aus Sternenwächters Sicht und einmal aus Morgenlichts Sicht. Ich finde das Buch an manchen Stellen langweilig, weil es sich manchmal wie Kaugummi lang zieht. Es gibt aber auch ein paar spannende Stellen.
Nicola Scholz, 11 Jahre (Die LesArtigen)

Ein Interview mit den LesArtigen
Wovon handelt das Buch?
Von zwei Geschwistern, die sich andauernd streiten. Sie sind beide sehr verschieden, denn Morgenlicht liebt den Tag und Sternenwächter die Nacht. Sie lernen, wie Geschwister zusammenhalten müssen und werden im Laufe der Geschichte erwachsen.
Findet das Erzählte in der Gegenwart oder in der Vergangenheit statt?
Die Geschichte selbst spielt in der Vergangenheit, in der Zeit, in der Columbus Amerika entdeckte. Sie ist aber in der Gegenwart geschrieben.
Wer erzählt euch die Geschichte?
Die Geschichte wird von Morgenlicht und Sternenwächter in zwei Perspektiven erzählt, in der wechselnden Ich-Form. Jedes Kapitel wird jeweils aus der Sicht einer Figur erzählt.
Gibt es eine Textstelle, die ihr besonders mögt?
Nein! Der Autor, Michael Dorris, hätte das Buch spannender schreiben können.
Gefallen euch die Illustrationen?
Die Illustrationen sind sehr schön. Der Illustrator, Quint Buchholz, hat im Pointilismus und in schwarz-weiß gezeichnet.
Wem würdet ihr das Buch empfehlen?
Lesern, die sich für Reiseberichte, Biographien, Geschichte und Natur interessieren.
Cora, Kalle, Linus, Rosa, Sebastian und Vincent (Die LesArtigen)

Malika Ferdjoukh: Schwarze Kürbisse. Aus d. Franz. v. Rosemarie Griebel-Kruip, Sauerländer im Patmos Verlag 2004, 254 S., ab 12
Die Familie Coudrier versammelt sich wie jedes Jahr anlässlich des Geburtstages des Großvaters. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, als die Kinder hinaus geschickt werden, um Speisekürbisse aus dem Gemüsegarten zu holen. Doch außer den Früchten finden sie einen Toten, mitten im Beet! War es ein Mord? Aber wer war es, wenn es wirklich Mord war? Onkel Gil? Großvater? Oder ist der Unbekannte mit dem roten Fleck auf der Brust eines natürlichen Todes gestorben??? Damit beginnt die Recherche des jungen Hérmes, bei der einige dunkle Geheimnisse der so angesehenen Familie Coudrier ans Tageslicht kommen… Malika Ferdjoukh gelingt es die einzelnen Geheimnisse letztendlich geschickt so zu verbinden, dass das Bild dieser angesehenen Familie total zerstört wird. Das Buch ist eine Mischung aus Familiendrama, Liebesgeschichte und Kriminalroman, was eine originelle und erfrischende Zusammenstellung ergibt. Alles in allem ist es sehr zu empfehlen, da so viele verschiedene Leseinteressen befriedigt werden. Auch das Aufeinandertreffen der verschiedenen Kulturen durch den Vergleich der Familie Coudrier und der amerikanischen Nachbarsfamilie ist eine gelungene Idee der Autorin.
Sarah Müller, 16 Jahre (Die LesArtigen)

Jan Guillou: Evil. Das Böse. Aus d. Schwed. v. Gabriele Haefs, Carl Hanser Verlag 2005, 380 S., ab 14
Das Buch versetzt einen bereits auf der ersten Seite in Entsetzen und ist wegen der nicht vorhersehbaren Lösung fesselnd. Diese Geschichte hat auf jeden Fall eine Botschaft für jugendliche Leser - man soll Gewalt nicht hinnehmen, sondern sich dagegen wehren...... Der Leser kann gut den gedanklichen Auseinandersetzungen Eriks über das Gewaltproblem in der Schule folgen und ist stets zum Nachdenken über eine Lösung angeregt. Der Roman ist sehr umgangssprachlich geschrieben und hat viele sehr brutale, ekelerregende und verletzende Szenen, die manche Leser schockieren werden. Hin und wieder wirken diese Momente aber auch lustig, als zum Beispiel Erik seinem Feind menschliche Exkremente über den Kopf schüttet.
Anna-Maria Nehl, 17 Jahre (Die LesArtigen)

David Grossman: Zickzackkind. Süddeutsche Zeitung Junge Bibliothek 2006, ab 12 (Nr. 33)
Zu Nonos »Bar Mizwa«, in der jüdischen Religion ein Zeichen des Erwachsenwerdens, hat sich sein Vater, ein international bekannter Kommissar, ein ganz besonderes Detektivspiel ausgedacht. In einem Zug nach Haifa wird Nono ein Brief überreicht, der eine Aufgabe für ihn enthält: Einen ganz bestimmten Menschen soll der Junge finden und ihn mit den Worten »Wer bin ich?« ansprechen. Weiß die Person die Antwort, so kann er Nono zur nächsten Etappe des Spiels führen. Doch Nono spricht den Falschen an, einen älteren Mann namens Felix mit rumänischem Akzent und Filmstarlächeln. Der Junge fährt mit Felix durch ganz Israel, wobei er immer mehr über seine verstorbene Mutter erfährt, über die der verschlossene Vater nie ein Wort verliert. Nono ist fest davon überzeugt, dass das ein Teil des Spiels und Felix ein Kollege seines Vaters ist. Doch immer wieder werden die beiden in kleinkriminelle Verbrechen verwickelt, was Nono langsam daran zweifeln lässt, dass Felix mit seinem Vater zusammenarbeitet. Und kann das wirklich noch zu einem harmlosen Spiel gehören?
»Zickzackkind« ist ein großartiger Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. David Grossman ist es wunderbar gelungen, bis zum Schluss die Spannung zu halten und nie zu viel zu verraten. Außerdem wurde das Buch in einer schönen, humorvollen Sprache geschrieben, die meist auch leicht zu verstehen war. Was mir auch sehr gefiel, war die Beschreibung von Nono, der, wie jeder normale Mensch, eine freundliche, vernünftige und eine freche, übermütige Seite hat. Dadurch wirkte die Figur sehr lebendig. Das einzige Störende war der Klappentext, in dem schon der Höhepunkt der Geschichte verraten wurde, auf den sich alles zuspitzt. Doch sonst ist »Zickzackkind« ein rundum gelungener Roman - nicht nur für Kinder!
Roberta Huldisch, 11 Jahre (Die LesArtigen)

Phillip Gwynne: Wir Goonyas, ihr Nungas. Aus d. austral. Engl. v. Cornelia Krutz-Arnold, Sauerländer im Patmos Verlag 2001, 284 S., ab 13
BOONGS, VERPISST EUCH steht an einem Schuppen im australischen Dorf Port. Einzig Gary stört sich an diesem Spruch, der gegen die Aborigines gerichtet ist. Gary Black wird von allen eigentlich nur Blacky genannt, dabei ist er kein bisschen black - also schwarz. Er ist der zweitunbegabteste Footballspieler und laut Vater ein Weichling. Er wagt es jedoch, sich mit dem Nunga, einem Schwarzen mit Namen Dumby Red anzufreunden. Dumby Red lebt in einem Reservat für Aborigines und ist ein wirklich guter Footballspieler. Doch der Schwarz-Weiß-Konflikt steht zwischen den beiden.
Phillip Gwynne hat dieses Buch aus der Ich-Perspektive geschrieben, so dass man sich gut in die Gefühlswelt des 14jährigen Jungen hineinversetzen kann. Obwohl es in diesem Roman um ein äußerst brisantes Thema geht, das in vielen Büchern eine vordergründige Rolle spielt, wird man hier nur unauffällig davon begleitet. Leider wird die Spannung oft unterbrochen, da viele der Wörter in Anmerkungen lang und breit erläutert werden. Trotzdem empfehle ich dieses Buch, da das Thema Rassismus mal auf eine andere Art und Weise behandelt wird.
Rebecca Hinzmann (Die LesArtigen)

Der 14jährige Gary Black, der von allen Blacky genannt wird, lebt mit seiner zehnköpfigen Familie in einem kleinem Ort in Australien. Wenige Kilometer entfernt liegt ein Reservat der Aborigines, Nungas genannt. Das einzige, was sie und ein paar der Goonyas, der Weißen, verbindet, ist die örtliche Jugend-Footballmannschaft, der auch Blacky angehört. Blacky freundet sich mit dem Nunga Dumby Red an. Als dieser erschossen wird, muss Blacky sich entscheiden: Geht er zu Dumby's Beerdigung oder nutzt er seine letzte Chance, sich mit seinem Vater zu versöhnen? Phillip Gwynne stellt in seinem Buch das Thema Rassismus nicht in den Vordergrund, obwohl es den »roten Faden« in der Geschichte darstellt. Schnell wird man von kleinen, witzigen Geschichten und den schrägen Bewohnern des Dorfs abgelenkt. Außerdem beschäftigt sich Gwynne mehr mit dem Alltagsleben von Blacky, bei dem Rassismus von Seiten seiner Freunde und Bekannten längst dazu gehört. Dieses Buch sollte man unbedingt lesen, da es witzig, tiefgründig und spannend zugleich ist. Die Übersetzerin des Romans Cornelia Krutz-Arnold erhielt den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises, da es ihr stets gelingt, die Frische und Originalität der von ihr übersetzten Bücher zu erhalten.
Hannah Brückner, 13 Jahre (Die LesArtigen)

Gary hat in dem kleinen australischem Dorf Port eigentlich nie viel zu tun. Das Einzige, was ihn vor der kompletten Langeweile rettet, ist die örtliche Footballmannschaft, die zur Hälfte aus Goonyas - Weißen - und zur Hälfte aus Nungas - Aborigines - besteht. Gary ist zwar kein besonders guter Spieler, doch trotzdem gewinnen er, als erster Ruck (das ist ein wichtiger Spieler beim Australian Football), und seine Mannschaft das Finale der Lokalmeisterschaft. Doch die Freude über den Sieg währt nicht lange, denn Dumby Red, ein Nunga und Garys Freund, überfällt mit ein paar anderen Nungas die örtliche Kneipe und wird dabei erschossen. Für Gary bricht eine Welt zusammen und er sondert sich immer mehr von den Anderen ab. Offensichtlich ist er der einzige Goonya, der über Dumbys Tod nachdenkt. Das Buch beschreibt im Prinzip das Leben in einem südaustralischem Dorf als nicht besonders interessant. Doch Gwynne erzählt so viele Details und kleine Geschichten, dass das Lesen des Buches zunehmend Spaß macht. Das Thema Rassismus steht zwar nicht im Vordergrund, doch es ist immer präsent und ein ständiger Begleiter von Gary, in dessen Dorf Rassismus schon zum Alltag gehört. Das Buch ist zwar nicht umwerfend, aber es ist sehr interessant, wie der Autor die Rassendiskriminierung in dem Dorf mit einer unterhaltsamen Geschichte verpackt. »Wir Goonyas, ihr Nungas« sei allen empfohlen, die sich mit einen witzigen und spannenden Roman mit ernstem Hintergrund befassen wollen.
Jonas Brückner, 13 Jahre (Die LesArtigen)

Peter Hacks: Liebkind im Vogelnest: Süddeutsche Zeitung Junge Bibliothek 2006, ab 11 (Nr. 37)
Leberecht lebt friedlich mit seinem geliebten Liebkind im »Großen Garten«. Eines Tages verschwindet dort der weise Gartengott von seinem Sockel. Von hier aus hat er immer über sein Volk gewacht und es regiert. Eine Fahrkarte für das Ende der Welt soll er sich gekauft und keine Rückfahrt geplant haben, erfährt man aus sicherer Quelle, von einer Bahnhofsratte. Kurz darauf weiß auch die böse Fee Grilla Bescheid, die über den verwilderten und verwesten Nachbarsgarten Kerfistan herrscht. Nun ist es an dem neuernannten König Leberecht seinen geliebten Garten vor der hinterlistigen Grilla zu beschützen. Und um Liebkind nicht zu gefährden, verstößt er sie. Liebkind aber ist viel gerissener als Leberecht denkt und verkleidet sich kurzerhand als Gärtnerjunge, um Leberecht insgeheim bei seinem Kampf beizustehen...
»Liebkind im Vogelnest« ist ein wunderbares Buch. Es ist skurril und liebenswürdig gleichzeitig, wofür auch die Illustrationen von Klaus Ensikat sorgen. Trotzdem es wahrscheinlich ein Kinderbuch ist, liegt in der Schreibweise Peter Hacks etwas Schauriges. Es ist ein Buch, das aus Gegensätzen besteht, die seltsamerweise zueinander passen. Obwohl es mir sehr gefallen hat, glaube ich, dass es nicht jedem liegen würde.
Julia Suris, 13 Jahre (Die LesArtigen)

Michael Harrison: Ins kalte Wasser springen. Aus d. Engl. v. Michaela Kolodziejcok, Altberliner Verlag u.a. 2002, 196 S., ab 12
Er lebt nicht bei seinen richtigen Eltern. Diese Tatsache war James schon länger klar, doch als plötzlich seine richtige Mutter Julia, die er noch nie zuvor gesehen hat, vor der Tür steht ist er schon sehr überrascht. Sie schlägt vor, einen Urlaub »ins Blaue« zu unternehmen, zum Kennenlernen. Der überrumpelte James stimmt zu und so machen sich die beiden auf den Weg. In Norfolk trifft James auf Beth, die Streit mit ihrer Familie hatte und Julia nimmt sie kurzentschlossen mit auf die Tour. Doch bald geht Julia das Geld aus und es stellt sich heraus, dass sie nicht so unschuldig ist wie es scheint. James' und Beths Zweifel erhärten sich, dass dies als normaler Urlaub geplant war...
Das Buch ist teilweise in einer Tagebuchform geschrieben... was recht interessant ist. Der Schwerpunkt liegt zum Glück nicht auf der Mutter-Sohn-Beziehung, wie man vermuten könnte, sondern auf der vermeintlichen Entführung... Wenn man dieses Buch liest »springt man nicht ins kalte Wasser«, sondern schwimmt eher in der lauwarmen »gab's doch schon« Brühe... Trotzdem hat das Buch einen gewissen Reiz, der einen die gerade mal 196 Seiten durchlesen lässt. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass das Buch trotz allem eine bestimmte Unterhaltsamkeit aufweisen kann.
Jonas Brückner, 13 Jahre (Die LesArtigen)

Alexa Hennig von Lange: Ich habe einfach Glück. Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins 2001, 256 S., ab 14
Was von außen wie eine normale Familie wirkt, sieht in Wirklichkeit ganz anders und völlig chaotisch aus: Die 15jährige Lelle ist magersüchtig, ihre Schwester Cotsch haut dauernd von zu Hause ab, die Mutter ist total überfordert und zugleich frustriert und der Vater flüchtet immer in den Keller, um Schuhe zu putzen. Als Lelle sich in Arthur verliebt, den ihre Mutter für einen Stricher und Dieb hält, und Cotsch mal wieder abhaut, kommt Bewegung in den verklemmten Alltagstrott. Das Buch wird aus der Sicht von Lelle erzählt, was dem Leser ihre Gefühlswelt und Ansichten näher bringt. Auch die restlichen Familienmitglieder, die Lelle dauernd versucht zu ergründen, werden dadurch gut beschrieben. Dennoch wirkt das Buch auf mich überspitzt und übertrieben. Alexa Hennig von Lange stellt die extremen Probleme der Familie äußerst nüchtern und distanziert ironisch dar. Aus diesem Grund erscheint der erschreckende familiäre Alltag unglaubwürdig. Außerdem wird der Geschichtsverlauf oft durch verschiedene Rückblenden unterbrochen. Deshalb fällt es manchmal schwer, sich auf den »roten Faden« des Buches zu konzentrieren.
Hannah Brückner, 13 Jahre (Die LesArtigen)

»Ich bin allein«, das denkt sich die 15jährige Ich-Erzählerin Lelle des Öfteren. Obwohl sie mit Vater, Mutter und Schwester in einem Haus wohnt, fühlt sie sich verlassen. Wenn der Vater sich wieder einmal zum Schuhe putzen in den Keller verzogen hat, weil ihm die Situation zu schwierig wird, behauptet die Mutter: »Wir können es uns auch ohne Papa gemütlich machen!« Doch wirklich gemütlich ist es nur selten. Das heißt - eigentlich nie, denn immer ist irgend etwas los. Entweder ist die Schwester WIEDER MAL mit einem Typen durchgebrannt, alle suchen sie und die Mutter bekommt WIEDER MAL eine ihrer vermeintlichen Herzattacken, oder bei Lelle will das Kotzen WIEDER MAL nicht klappen: »Das muss ich noch üben.« Das Blöde ist wirklich, dass alle immer abhauen und Lelle allein lassen, allein mit dem Wunsch nach Liebe. Zum Glück gibt es ja da noch Arthur, der ganz einsam und alleine im Nachbarhaus wohnt. Doch Lelles Eltern haben ja nichts anderes zu tun als damit zu rechnen, dass Arthur, während sie in den Sommerferien sind, bei ihnen einbricht und sie ausraubt. Doch für Lelle ist klar: »Arthur, Arthur, Arthur«, Arthur ist der Eine, den sie will. Authentisch und ironisch-witzig beschreibt Alexa Hennig von Lange das chaotische Leben von Lelle. Auch wenn zunächst alles ziemlich ungewöhnlich klingt, erkennt man doch bald die Parallelen zum »normalen« Leben. All denen, die sich für die möglichen und unmöglichen Probleme des Alltags eines Jugendlichen interessieren, empfehle ich dieses Buch.
Rebecca Hinzmann, 12 Jahre (Die LesArtigen)

Eine verzweifelte Mutter, die »täglich« einen Herzanfall bekommt, eine durchgedrehte Schwester und ein nicht Anteil nehmender Vater, der bei Lust und Laune in den Keller flüchtet und dort Schuhe putzt. Das ist der natürliche Alltag der magersüchtigen Lelle. Die 15jährige Lelle ist die einzige »Normale« in der Familie, meint sie. Sie ist zwar magersüchtig, wiegt um die 40 kg, aber dreht nicht bei jeder kleinen Sache durch. Ganz im Gegenteil: Sie nimmt immer alles gelassen. Sie liebt ihre Mutter sehr und weiß, dass diese es schwer hat, aber sie kann ihr den Wunsch, einen Teller Nudeln zu essen, nicht erfüllen. Die Mutter ist öfter sehr bedrückt, wenn mal wieder der Vater nicht mit ihr kuscheln will oder sich nicht um die Familie kümmert. Als sie eines Tages nach einer Auseinandersetzung mit Lelles Schwester Cotsch (17) das Haus verlässt und von einem Moped angefahren wird, fängt Lelles Herz an zu klopfen: Sie verliebt sich in den Jungen aus dem Nachbarhaus, in Arthur, den ihr Vater für einen Dieb hält, und der ihre Mutter angefahren hat. Und als Cotsch eines Abends abgehauen ist, suchen Lelle und Arthur sie gemeinsam. In dieser Nacht wird Lelles Traum wahr.
Dieses Buch ist ein amüsanter Roman. Alexa Hennig von Lange beschreibt die Situation ziemlich offen und realistisch. Es ist wie ein Buch voller Gedanken von Lelle. Der Anfang ist leider etwas verwirrend, denn man weiß nicht, ob das Buch nur einzelne kleine Happenings schildert oder Rückblenden. Man verliert nämlich die Hauptgeschichte aus den Augen. Auch ist das Buch in einem ziemlich ironischen Stil geschrieben. Ich habe nicht gleich gemerkt, dass es Ironie ist. Allen, die wissen möchten, wie der Alltag von Jugendlichen auch sein kann, würde ich dieses Buch empfehlen, denn es entspricht auch vieles der Wahrheit.
Anna-Marie Nehl, 13 Jahre (Die LesArtigen)

Heike und Wolfgang Hohlbein: Drachenfeuer. Süddeutsche Zeitung Junge Bibliothek 2006, ab 11 (Nr. 18)
In diesem Buch geht es um den Jungen Chris, der die Welt der Feen und Elfen retten soll. Chris hatte sich die Ferien etwas anders vorgestellt. Da war er nun hier in diesem Kaff: Killarney, ein kleines, am Loch Lein liegendes Städtchen in Irland. Als er jedoch den Jungen Llewellyen trifft, beginnen die Ferien interessant zu werden. Chris bemerkt, dass etwas mit Llewellyen nicht stimmt und als er ihn dann in einer unbekannten Sprache reden hört, traut Chris ihm nicht. Durch mehrere Fakten, wie zum Beispiel die Bauarbeiten seines Vaters und das Verhalten Llewellyens, entdeckt er ein Tor im Fels. Als er hindurch geht, gelangt er in die mittelalterliche Welt der Feen und Elfen. Dort wird ihm mitgeteilt, dass die Milesier, ein Volk aus dem Norden, das schöne Land ausplündern und zerstören. Der einzige Weg sie zu bezwingen sei ein Drache. Als jedoch Chris beschließt, den Drachen nicht zu rufen, scheint dieses wunderbare Land seinem Schicksal gegenüber zu stehen... Ich fand dieses Buch sehr gut, da Mittelalter und Fantasystories mich fast immer in den Bann ziehen. Auch die Schreibweise Hohlbeins finde ich einfach klasse. Ich empfehle dieses Buch auf jeden Fall weiter. Vor allem den Fantasyinteressierten.
Philipp Noll, 15 Jahre (Die LesArtigen)

James Krüss: Die glücklichen Inseln hinter dem Winde. Carlsen Verlag 2000, 259 S., ab 10
James Krüss hat ein wunderbares Buch geschrieben. Es handelt von einem Kapitän, der durch Zufall in die Winde einer Inselgruppe gerät und von ihnen an Land getrieben wird. Dort wird er von Menschen und Tieren empfangen und bewirtet. Der Kapitän erzählt dem Autor James Krüss jeden Abend bei einem Glas Wein in Tagebuchform von seinen Erlebnissen. Und es ist kein Wunder, dass James Krüss diese aufschreiben musste, denn der Kapitän hat Außerordentliches erlebt. Die Inseln von denen er berichtet, sind etwas ganz besonders - auf ihnen ist jeder, ob Mensch, Pflanze oder Tier, glücklich. Und die Glücklichen Inseln sind genauso außergewöhnlich wie ihre Namen. Sie heißen u.a. Polipopaja, Mellifera, Paxos, Jou-Jou, Publa Cumba... Publa Cumba besteht zum Beispiel aus einem riesigen Napfkuchen, bei dessen Beschreibung mir das Wasser im Mund zusammengelaufen ist. Auf einer weiteren Insel leben alle berühmten aber schon verstorbenen Maler. Dort gibt es einen Ort, an dem man seinen Traum malen kann. Hier wurde auch das Bild gemalt, dass auf dem Buchumschlag abgedruckt ist: es zeigt ein buntes, fröhliches Schiff, das durch die Nacht reist und auf dem der Kapitän mit seinen Passagieren steht. Wegen des hübschen Covers wollte ich das Buch unbedingt lesen. Die verschiedenen Inselwelten sind mit sehr vie Phantasie und Witz erdacht und beschrieben - das gefällt mir an dem Buch so gut. Alles ist wie aus einer Traumwelt, bunt und fröhlich. Beim Lesen habe ich richtig Sehnsucht bekommen, und wollte die Inseln unbedingt besuchen. Das Besondere an der Geschichte ist, dass sie sicherlich für Kinder geschrieben ist, durch schöne Formulierungen wie »Glücklichen Tag meine Lieben«, Gedichte und viele Dialoge aber auch für Große schön zu lesen ist.
Clara Schattauer, 12 Jahre (Die LesArtigen)

Guus Kuijer: Wir alle für immer zusammen. Aus d. Niederl. v. Sylke Hachmeister; Ill. v. Alice Hoogstad, Friedrich Oetinger Verlag 2001, 95 S. , ab 10
Als die elfjährige Polleke in der Schule kundtut, dass sie Dichterin werden will, löst das eine Welle von chaotischen Ereignissen aus: Ihr Freund Mimum trennt sich von ihr, sie wird als Rassistin abgestempelt und dann - und das ist das gruseligste - verlieben sich ihre eigene Mutter und der Klassenlehrer Walter ineinander. Kann man sich was Schlimmeres vorstellen? Nein! Schließlich bemerkt sie auch noch, dass ihr UP (= unnormaler Papa) Spiek nicht der große Dichter ist, für den sie ihn hält. Die einzigen Gesprächspartner in Pollekes Krise sind ihre Großeltern und die Kuh Greetje. Dass Polleke Dichterin werden will, ist sehr vorteilhaft für den Leser dieses Buches, denn es ist gespickt mit kleinen, witzigen Gedichten über Gott, Kühe und Freundschaft. Genauso locker-witzig ist das ganze Buch geschrieben, obwohl es durchaus auch tragische Elemente gibt, wie Pollekes kriselnde Freundschaft mit Mimum oder die wahren Machenschaften ihres Papas. Alles in allem ist dieses Buch absolut empfehlenswert für junge Leser mit Spaß an humorvollen und anspruchsvollen Geschichten.
Hannah Brücker, 12 Jahre (Die LesArtigen)

Paul Maar: Der tätowierte Hund. Süddeutsche Zeitung Junge Bibliothek 2006, ab 9 (Nr. 20)
Eines Tages trifft der König Löwe im Wald einen seltsamen Reisenden: Einen Hund, der von oben bis unten mit bunten Tätowierungen übersät ist! Und als ob das nicht schon verrückt genug wäre: Wie der Löwe bald erfährt, verbirgt sich hinter jedem Bild eine Geschichte...
»Der tätowierte Hund« ist eine Sammlung von lustigen Kurzgeschichten, die durch kleine Dialoge miteinander verbunden sind. So erzählt der Hund zum Beispiel ein Märchen von zwei frechen Affen, die immer wieder versuchen, einem Händler einen Sack Nüsse zu stehlen. Als es ihnen dann endlich gelingt, will einer der Affen die leckeren Nüsse ganz für sich. Ob das gut geht? Wie in jeder der Geschichten findet man auch in dieser eine Moral, die einem jedoch nicht das Gefühl gibt, belehrt zu werden. Obwohl die Geschichten nicht spannend, zeitweise sogar etwas langweilig sind, wird sich bei diesem Buch wohl kaum einer das Lachen verkneifen können!
Roberta Huldisch, 11 Jahre (Die LesArtigen)

Patricia Mac Lachlan: Das Gute hinter der nächsten Ecke. Aus d. Amerk. von Cornelia Krutz-Arnold, Ill. v. Peter Klaucke. Sauerländer Verlag 1993, 84 S., ab 10
Im Buch geht es um den 11jährigen Achse, der gemeinsam mit seiner Schwester von seiner Mutter bei den Großeltern zurückgelassen wird. Als einziger in der Familie glaubt er daran, dass sie zurückkommen wird und wartet auf einen Brief von ihr. Doch der Brief kommt nie, stattdessen schickt die Mutter nur Geld. Achse erzählt, wie er mit Hilfe von einer Kamera und einer Kiste alter Fotos in seine Vergangenheit eintaucht und ihn die Hoffnung auf die Rückkehr seiner Mutter nicht loslässt. Dass es um Fotografie bzw. Fotos geht, habe ich schon am Buchumschlag gesehen. Er zeigt ein zerrissenes und wiederzusammengesetztes Foto. Darauf ist ein kleiner Junge zusehen, der von jemandem in die Luft geworden wird. Von wem, ist nicht zu erkennen, denn ausgerechnet dieser Schnipsel fehlt. Hier ist die Abwesenheit der Eltern, von der in der Geschichte erzählt wird, schon abgebildet. Auch ein vorangestelltes Zitat kündigt die Bedeutung der Fotografie für das Buch an. Dort heißt es: »Die Fotografie ist ein Hilfsmittel zur Auseinandersetzung mit Dingen, von denen jeder weiß, ohne sich damit zu befassen.« (Emmet Gowin in: Susan Sontag: Über Fotografie. München, Hanser 1978, übersetzt Gerdtrud Baruch) Das Zitat finde ich sehr schön und es hat mich auf den Text neugierig gemacht. Doch noch vor dem Lesen fiel mir auf, dass auch im Buch Bilder eine große Rolle spielen. Denn jedem Kapitel ist eine schwarzweiße Bleistiftzeichnung vorangestellt. Sie zeigen einen wichtigen Gesichtspunkt des Kapitelinhalts. Viele Illustrationen beschäftigen sich wieder mit dem Thema Fotografie, da sie z. B. Achse mit einer Kamera, einen Stapel Fotos oder auch die Kiste alter Fotos zeigen, die Achse findet. Das Cover, die Illustrationen und der Text greifen so das Thema Fotografie auf, es zieht sich wie ein roter Faden auf mehreren Ebenen durch das Buch. Patricia MacLachlan hat ihre Geschichte mit einfachen Worten geschrieben. Doch ich habe schnell festgestellt, dass sich hinter ihren Worten meist vielmehr verbirgt, als es auf den ersten Blick scheint. Liest man zwischen den Zeilen, bemerkt man die starken Gefühle, die jede einzelne Person hat. Manche Stellen musste ich sogar ein zweites Mal lesen, um den Hintergrund richtig zu verstehen. Ich finde das Buch deshalb ziemlich anspruchsvoll und es gefällt mir darum auch so gut.
Cora-Lou Kutsch, 12 Jahre (Die LesArtigen)

Patricia MacLachlan: Schere, Stein, Papier. Süddeutsche Zeitung Junge Bibliothek 2005, ab 11 (Nr. 6)
Der Sommer ist vorbei, die Sommerfähre mit den letzten Touristen abgefahren. Larkins Familie und die anderen Inselbewohner haben die Insel wieder für sich. Doch plötzlich ist sie da: Sophie, das kleine Findelkind. In eine Decke gewickelt liegt sie in einem Korb vor der Haustür von Larkins Familie. In dem Korb liegt ein Brief von Sophies Mutter. Sie schreibt, sie werde Sophie wieder zu sich holen, bald... Sophie ist gut aufgehoben bei Larkins liebevoller und fürsorglicher Familie. Bei Byrd, Larkins Großmutter, die Sophie von Anfang an lieb gehabt hat, bei Larkin, ihrer Mutter und ihrem Vater, der ihr das Tanzen beibringt und Schere, Stein, Papier mit ihr spielt. Doch alle wissen, dass Sophies Mutter sie irgendwann wieder holen wird. Es ist besser, sie nicht zu lieben, hatte Larkins Vater einmal gesagt, doch da war es schon zu spät, zu spät für sie alle. Sie hatten Sophie in ihr Herz geschlossen und es würde schwer sein, sie gehen zu lassen. Sie würde einfach nicht mehr da sein, wie Larkins kleiner Bruder, der kurz nach seiner Geburt starb. Dann würde ihnen wieder etwas fehlen, das kleine Etwas, dass sich nicht in Worte fassen lässt. Als Sophies Mutter eines Tages vor der Haustür steht, geht allen die gleiche Frage durch den Kopf: Werden sie Sophie jemals wieder sehen?
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es war sehr gefühlvoll geschrieben und obwohl ich dicke Bücher lieber mag als dünne und dieses Buch mit seinen 126 Seiten nicht sehr lang war, habe ich es sehr gerne gelesen und würde es auf jeden Fall weiterempfehlen. Nichts war zu ausführlich geschrieben, trotzdem war das Buch verständlich und nachvollziehbar. Ich habe immer weiter gelesen, da ich sehr auf den Schluss gespannt war...
Izabela Strojny, 12 Jahre (Die LesArtigen)

Koos Meinderts: Sag Leen zu mir. Aus d. Niederl. v. Mirjam Pressler, Ill. v. Maren Briswalter, Cecilie Dressler Verlag 1996, 85 S., ab 9
Leen lebt bei einer Pflegefamilie. Hier sind alle nett zu ihm, doch trotzdem möchte er, dass es so wird wie früher. Seine Koffer packt er nicht aus, denn er hofft, dass seine Mutter ihn schon bald wieder abholt. Doch sie ist schwer krank. Und die Ärzte sagen, dass es noch dauern kann, bis sie wieder gesund wird. Das Buch ist in der Ich-Form erzählt. Dadurch bin ich Leen beim Lesen sehr nah gekommen und fand die Geschichte spannend. Obwohl es eine ernste Geschichte ist, habe ich manchmal vermisst, dass man irgendwo lachen kann. Sehr gut haben mir die schwarz-weiß Illustrationen gefallen, die zu der Stimmung der Geschichte passen.
Nicola Scholz, 12 Jahre (Die LesArtigen)

Francois Place: Die letzten Riesen. Aus d. Franz. v. Marie Luise Knott, Ill. v. Autor, C. Bertelsmann Verlag 1996, 78 S., ab 10
»Es geschah während eines Spaziergangs über das Hafengelände. Als ich jenen Gegenstand kaufte, der mein Leben verändern sollte - einen riesengroßen Zahn.« So beginnt das Buch von François Place, dass wie der Name schon sagt, von Riesen handelt. Es handelt von dem englischen Forscher Archibald Leopold Ruthmore, der sich im Jahre 1850 auf die Suche nach dem Ursprung des Zahns macht. Und dabei im innern Asiens die angeblich letzten Riesen dieser Welt entdeckt. Einmal angefangen, konnte ich dieses Buch nicht mehr weglegen. Ich musste es in einem Rutsch durchlesen. Die Reise des Forsches hat mich gefesselt, da sie sehr, sehr spannend erzählt wird und mich mitgerissen hat. Die Geschichte ist in der Ich-Form geschrieben, der Forscher Archibald Leopold Ruthmore erzählt. Er geht ins Detail, ohne dabei langweilig zu sein. Zum Beispiel berichtet er, wie er sich fühlte, als die Männer seiner Expedition massakriert werden. Ohne viele Worte zu verlieren oder langatmig zu sein. Und doch so, dass ich es mir beim Lesen genau vorstellen konnte. Das hat mir besonders gut gefallen. Eine Art Nachwort stammt vom allwissenden Erzähler. Hier erfährt der Leser, was aus Ruthmore nach seiner abenteuerlichen Reise zu den Riesen wird. Das Buch endet so, wie es beginnt, nämlich mit dem Zahn. Dort heißt es: »Aber niemals erzählte er ihnen von jenem seltsamen Gegenstand, der in der Tiefe seines Seemannskoffers ruhte - dem Zahn eines Riesen.« Außerdem hat das Buch viele anschauliche Illustrationen, die vor allem die Riesen zeigen. Mir war der Text aber wichtiger als die Bilder. Obwohl sie mir gefallen haben, hat mich vor allem die Geschichte fasziniert. Dieses Buch ist meiner Meinung nach für 8-13 jährige Jungen und Mädchen geeignet, die wie ich Abenteuergeschichten lieben.
Vincent Viebig, 11 Jahre (Die LesArtigen)

Peter Pohl: Unter der blauen Sonne. Aus d. Schwed. v. Birgitta Kicherer; Arena Verlag 2002, 191 S., ab 14
Das Geschehen selbst erzeugt kaum Spannung. Spannend aber ist die Welt, die der Autor geschaffen hat. Der Leser erfährt nie die ganze Wahrheit und muss sich viel dazudenken... Das macht einen großen Anreiz aus... andere Aspekte machen das Buch ebenfalls interessant, z.B. gelingt es dem Verfasser perfekt, die düstere Atmosphäre im Heim auf den Leser zu übertragen. Oder wie Tim sich allmählich von der Konditionierung durch die Kontrolle löst... Weiterhin ist spannend, dass auch Tim offensichtlich mehr und mehr dem Einfluss der giftigen Umwelt zum Opfer fällt. Das äußert sich... folgendermaßen: Am Anfang drückt Tim sich noch sprachlich korrekt aus, doch mit der Zeit schleichen sich immer mehr Fehler in seine Ausdrucksweise ein, was seine zunehmende Verwirrung tadellos widerspiegelt. Später benutzt der Autor parallel immer weniger Wörter, was gleichzeitig die Intensität des Buches weiter anspitzt... Und der Sensationen noch nicht genug, folgt einer unglaublichen Behauptung im Nachwort dann noch eine Interpretation des Verfassers selbst, was ebenfalls sehr interessant ist, da es ja nicht alle Tage vorkommt, dass ein Autor sein eigenes Werk interpretiert. Dieses sprachlich revolutionäre Buch sei jedem empfohlen, auch denen, die sich nicht für Science-Fiction erwärmen können...
Jonas Brückner, 13 Jahre (Die LesArtigen)

Beim Lesen dieses Buches kann sich der Leser von seinem Alltagsleben lösen und sich in eine andere Umgebung hineinversetzen... Die Form, die Peter Pohl für diese kühl-sachliche Erzählung gewählt hat, ist besonders beeindruckend. Bei mir hat es den Eindruck von einem Tagebuch erweckt, in dem Tim seine Erforschungen und Entdeckungen niederschreibt. Leider hat der Autor dabei fast keine Gefühle beschrieben. Die Charaktere scheinen alle gleich zu sein, so dass man die konkreten Persönlichkeiten nicht erkennen kann. Sehr merkwürdig ist auch die Sprache, die zwar die Außergewöhnlichkeit des Buches unterstreicht, die aber ein ständiges Durcheinander und eine Verwirrung beim Lesen bewirkt... Vielleicht hat Peter Pohl bewusst seinen kritischen Blick bezogen auf unsere Welt dargestellt, damit der Leser schließlich selber seine eigenen Schlüsse ziehen und sich Gedanken machen kann.
Anna-Maria Nehl, 14 Jahre (Die LesArtigen)

Tilde Michels: Kleiner König Kalle Wirsch. Süddeutsche Zeitung Junge Bibliothek 2006, ab 9 (Nr. 34)
Diese Kindergeschichte von Tilde Michels handelt von Max und Jenny, die den Erdmännchenkönig Kalle Wirsch durch die Erde begleiten. Bei den Erdmännchen gibt es einen Brauch, dass jeder der König werden möchte, dies durch einen Wettstreit mit dem jetzigen König werden kann. Dies überlegte sich auch der böse Zoppo Trump. Er hatte sich eine List ausgedacht, um Kalle vom Thron zu stürzen. Er will ihn verschleppen, so dass er nicht pünktlich zum Wettstreit kommt, denn dann würde er, Zoppo, neuer König der Erdmännchen werden. Doch Kalle ahnt nichts davon. Als er versehentlich in einen Gartenzwerg gesteckt wird, scheint für ihn die Lage und die Chance noch pünktlich zu kommen aussichtslos. Doch da trifft er die Kinder Max und Jenny, die sich bereit erklären ihm zu helfen. Eine abenteuerliche Reise beginnt...
Ich fand diese Buch sehr gut, obwohl ich nicht auf Kinderbücher stehe. Die phantasievolle Art wie es geschrieben ist und die schöne Ausdrucksweise der Autorin machen es zu einem empfehlenswerten und schönen Buch. Ich finde, dass es außerdem gut zum Vorlesen wäre. Eine rundum schöne Gute-Nacht-Geschichte! Super!
Philipp Noll, 15 Jahre (Die LesArtigen)

Hermann Schulz: Auf dem Strom. Süddeutsche Zeitung Junge Bibliothek 2006, ab 12 (Nr. 35)
Friedrich Ganse ist in den 30er Jahren als deutscher Missionar in Afrika ein sehr angesehener und geschätzter Mann, sogar bei den Engländern, die Afrika zu dem Zeitpunkt noch besetzen. Eines Tages wird er von seinem Freund, dem afrikanischen König Usimbi, zur Lösung eines Problems mit den Engländern nach Kigoma, einer kleinen Stadt in Afrika, gerufen. Nur ungern nimmt er die Bitte an, weil seine Frau und seine Tochter krank sind. Als er nach einigen bewältigten Hindernissen wieder nach Hause kommt, erwartet ihn ein harter Schlag: Seine Frau liegt tot im Bett und der Zustand seiner Tochter Gertrud ist lebensgefährlich. Auf den Rat eines Nachbarn hin, nimmt er ein Boot. Vor ihm liegen tagelange Strapazen, um Gertrud zu einem europäischen Hospital zu bringen. Auf seinem Weg trifft er viele Einheimische, die seiner Tochter auf ihre Weise zu helfen wissen. Zuerst ist der Missionar abgeneigt gegen ihren »teuflischen Zauber«, wie er es nennt, merkt aber mit der Zeit, dass die Mittel der Afrikaner dem Mädchen tatsächlich helfen...
Das Buch beinhaltet eine schöne Geschichte, die mich jedoch nicht sehr berührt hat. Am Schreibstil von Hermann Schulz ist nichts auszusetzen, er ist aber auch nicht spannend oder aufregend. Wenn es nicht zum größten Teil aus Wiederholungen bestehen würde, z. B., dass der Missionar bei seiner Reise mehrere Male von Afrikanern mit Speeren in seinem Boot angehalten wurde, wäre mir das Buch bestimmt interessanter erschienen. Aus der knappen Inhaltsangabe auf der Rückseite wusste ich schon, dass das Mädchen überleben würde. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte ich das Buch bestimmt lieber gelesen. Der Geschichte fehlt das »Besondere«, dass ein Buch haben sollte, und die Illustrationen passten meistens nicht zum Inhalt.
Julia Suris, 13 Jahre (Die LesArtigen)

Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt. Süddeutsche Zeitung Junge Bibliothek, München 2006, ab 13 (Nr. 24)
Der siebzehnjährige Phil lebt mit seiner Mutter Glass und seiner Zwillingsschwester Dianne in dem abgelegenen Städtchen »Visible«. Da seine junge Mutter immer wieder kurze Affären hat, hat Phil niemals das Gefühl kennengelernt, einen Vater zu haben. Der Traum, seinen Vater und seine große Liebe zu finden, lässt ihn nicht mehr los. Er möchte ein Leben außerhalb von Visible führen, weit weg von den »kleinen Leuten«, den Menschen in Visible, die ihn und seine Familie missachten und verspotten. Er ist fest entschlossen eines Tages nach Amerika zu reisen, um dort seinen Vater zu finden.
Mir hat das Buch nicht gefallen, denn viele Dinge fand ich zu weit hergeholt, manche sogar unrealistisch. In dem Buch wurden Sachen beschrieben, die ich gar nicht so genau wissen wollte (zum Beispiel wie Phil mit seinem Freund Nicholas geschlafen hat). Zu lange Sätze und verwirrende Zeitsprünge haben das Lesen nicht gerade leicht gemacht. Dem Buch fehlte der gewöhnlich in Büchern vorhandene Höhepunkt und die Spannung, die einen drängt, immer weiter zu lesen. Vor allem für junge Leser ist das Buch nicht zu empfehlen, da, wie gesagt, bestimmte Dinge zu genau beschrieben werden.
Izabela Strojny, 12 Jahre (Die LesArtigen)

Shelley Tanaka: Auf der Titanic. Aus d. Engl. v. Eva Bobzin, Ill. v. Ken Marschall, Carlsen Verlag 1996, ab 11
In dem Buch erzählen Harold Bride und Jack Thayler. Durch den Funker und den Passagier erlebe ich das Abenteuer der Titanic vom Ablegen, vom Untergang und von der Rettung durch die Carpathia mit. Zum Teil in Tagebuchform geschrieben umfasst das Buch die Tage vom 10. April 1912, 10.30 Uhr bis zum 15. April 1912 18.00 Uhr. Dieser erzählende Fließtext wird von Sachtexten ergänzt. Immer wenn auf einer Seite ein Seil erscheint, trennt es den Fließtext von Sachinformationen. Das Seil führt wie ein roter Faden durch das Buch. »Auf der Titanic« ist gut zu lesen, da ich zwischen beiden Textarten wählen kann. Deshalb ist das Sachbuch sehr interessant und gar nicht langweilig. Da die Autoren mit Augenzeugen gesprochen haben und sie zu Wort kommen lassen, erfahre ich jede Menge über das Schiff und die Katastrophe. Alle Abbildungen kommen im Querformat des Buches gut zur Geltung. Die Details, die durch Bilder und Fotos unterstützt werden, finde ich auch für junge Leser lesenswert. Ihnen muss man schwierige Begriffe erklären. Was zum Beispiel ist ein »Typhon«? Oder ein »Telegraf«? Das Buch gefällt mir, weil ich mein Wissen, welches ich schon über die Titanic hatte, erweitern konnte. Schon immer fand ich das Thema Titanic spannend und empfehle das Buch an andere weiter.
Sebastian Bahr, 12 Jahre (Die LesArtigen)

Klaus Vater: Sohn eines Dealers. Ravensburger Buchverlag 2001, 126 S., ab 12
Seitdem Christian weiß, dass sein Vater Dealer ist, wird seine Welt zerfetzt. Er hasst Dealer: Vater macht Kinder kaputt. Christian, seine Schwester Sonja und ihre Mutter können froh sein, dass sie noch nicht in die Geschäfte des Vaters mit reingezogen wurden. Doch als der Vater erstochen wird, ändert sich alles: Christian wird von Männern aus dem Drogenmilieu bedroht, die auf der Suche nach Rauschgift sind, das sein Vater angeblich versteckt haben soll. Doch damit nicht genug: Schulausschluss, Trainingsverbot und Gerüchte, die durch einen schlecht recherchierten Zeitungsartikel entstanden sind, sorgen dafür, dass sich zunehmend mehr Wut und Verzweiflung in Christian anstauen. Als Christian sich eine Waffe besorgen lässt, eskaliert die Situation: Er erschießt einen Dealer.
Leute, die auf Unterhaltung und Lesespaß aus sind, können »Sohn eines Dealers« gleich wieder beiseite legen, denn die extrem drückende Stimmung und das äußerst brisante Thema machen das Buch nicht gerade leicht verdaulich. Der Autor beschreibt nüchtern wie in einem Bericht, fast schon mit einer regelrechten Kaltblütigkeit die schockierenden Erlebnisse von Christian. Verstärkt wird dieser Eindruck durch kurze, knappe Sätze, die alle in der Gegenwart geschrieben sind. Im Buch kommt zwar keine typische Krimi-Spannung auf, aber interessierte Leser legen es trotzdem nicht so schnell aus der Hand. Der erschreckende Schluss des Buches lässt durchblicken, dass solch eine Geschichte fast jedem passieren kann und von immer weniger Menschen beachtet wird. (LesArt-Kinderjury: Begründung zur Verleihung des Kinder-Krimi-Preises Emil, gestiftet von Dussmann - Das KulturKaufhaus in 2002)

Anne C. Voorhoeve: Lilly unter den Linden. Ravensburger Buchverlag 2004, 254 S., ab 11
Als ihre Mutter stirbt, steht die 13jährige Lilly ganz allein da. Lilly lebt im Westen, ihre einzigen Verwandten, die Familie ihrer Tante, im Osten Deutschlands, in der DDR. Nachdem sie ihre Tante Lena bei der Beerdigung der Mutter kennenlernt, fasst sie den Entschluss, ihr nach Jena zu folgen, nach dem Motto: Lieber zusammen in der DDR als allein im Westen. Ihre Freundin ist entsetzt: »Niemand geht in die DDR - alle sind heilfroh, wenn sie da wegkommen! Davon wirst du auch schon gehört haben - dass die Leute sich lieber auf der Flucht abknallen lassen, als in der DDR zu bleiben!« Doch Lilly lässt sich nicht von den Berichten über Außenklos und graue Städte abschrecken. Sie wagt die Flucht in die DDR, erfüllt von dem Gedanken, endlich Teil einer liebevollen Familie zu sein. Ihr Weg führt sie erst nach Ostberlin. Denn »Unter den Linden« trafen sich Lillys Eltern damals, um in den Westen zu fliehen.
Anne C. Voorhoeve spricht mit ihrem Buch eine Zielgruppe an, welche die Teilung des Landes entweder gar nicht oder nur teilweise wahrgenommen bzw. miterlebt hat. Und doch regt diese Geschichte an, darüber nachzudenken, was der bestehende Ost-West-Konflikt für genau diese Generation bedeutet. Eingebettet in eine rückblickende Rahmenhandlung erzählt die Autorin eine bewegende, traurige, wundervolle Geschichte und schafft den Vergleich von Ost und West ohne jegliche Wertung.
Hannah Brückner, 16 Jahre (Die LesArtigen)

Mats Wahl: KILL. Aus d. Schwed. v. Angelika Kutsch, Carl Hanser Verlag 2005, 263 S., ab 14
Kriminalinspekteur Harald Fors' dritter Fall steht unter keinem guten Stern. Gleich zu Beginn wird er brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt. Unter dem Diebesgut ist auch seine Dienstwaffe. Von Schuldgefühlen und Verletzungen geplagt, will Fors erst einmal gesund werden. Doch kurz darauf kommt es in der Vinkingaschule zu einer schrecklichen Gewalttat: Mehrere Kinder werden verletzt und erschossen. Zunächst gibt es keine Anhaltspunkte zu Täter oder Motiv. Als sich aber herausstellt, dass es sich bei der Mordwaffe um Fors' Pistole handelt, wird die Sache für ihn noch schwieriger. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn die Justizministerin und die Presse wollen Ergebnisse sehen und in der Stadt entwickelt sich zunehmend ein explosives Klima von Rassismus, Misstrauen und Angst. »Kill« ist ein spannender und intelligenter Krimi, der dem ersten, ebenfalls sehr guten Harald-Fors-Krimi »Der Unsichtbare« in nichts nachsteht. Diesmal aber ermittelt Fors nicht alleine, vielmehr bekommt man Einblick in die gesamte Polizeiabteilung, die sich mit dem Fall beschäftigt. Klar im Mittelpunkt stehen aber Fors und sein Kollege Stjernkvist, die allerdings nicht gemeinsam, sondern parallel ermitteln. »Kill« besitzt aber neben dem Krimiaspekt auch noch eine andere Seite. Mats Wahl beschreibt Rassismus, Korruption, Polizeigewalt. Er lässt die Protagonisten auf die Polizei und das Bildungssystem schimpfen. Er lässt sie erzählen von sozialem Elend, von schlechten politischen Verhältnissen und vom Import amerikanischer Esskultur - und all das in Schweden, von dem man denkt, es habe solche Probleme nicht oder zumindest nicht in einem Ausmaß, wie beispielsweise in Deutschland. Diese »Kommentare« zur Lage in Schweden werden nur ab und zu eingestreut und doch prägen sie das Buch entscheidend mit. Auf diese Weise gewinnt es auch eine gewisse politisch Brisanz. Eine dritte Auffälligkeit ist, wie Mats Wahl die Menschen in seinem Buch beschreibt. Er zeigt auf ihre großen und kleinen Fehler hin, mit teilweise schonungsloser Genauigkeit. Alles in allem ist »Kill« ein ausgezeichneter Roman, der mehr ist als nur ein Krimi. Für Fans schwedischer Qualitätskrimis auf jeden Fall empfehlenswert.
Jonas Brückner, 16 Jahre (Die LesArtigen)

Mats Wahl: Der Unsichtbare. Aus d. Schwed. v. Angelika Kutsch, Carl Hanser Verlag 2001, 190 S., ab 13
Hilmer ist verschwunden! Seine Eltern, seine Verwandten und das ganze Dorf suchen nach ihm, ohne Erfolg. Schließlich wird Kommissar Fors auf den Fall angesetzt. Doch die Ermittlungen erweisen sich schwieriger als zuerst angenommen. Fors hat das Gefühl, dass ihm die Leute etwas Wichtiges verschweigen und auch sonst sind die Einwohner des Dorfes nicht besonders gesprächsbereit. Erst als der Kommissar herausfindet, dass eine Gruppe rechtsradikaler Jugendlicher Hilmer schon seit längerer Zeit auf dem Kieker gehabt hat, kommt er mit seinen Recherchen voran. Der verschwundene Junge wird schließlich auch gefunden, doch damit ist das Buch noch nicht zu Ende: Hilmer schwebt in höchster Lebensgefahr und die rechtmäßige Bestrafung der Täter ist ungewiss. Was sich wie ein ganz normaler »Durchschnittskrimi« anhört, ist in Wirklichkeit ein spannender, vielschichtiger und teilweise auch erschreckender Krimi, der sich mit Rassismus befasst. Im Prinzip weiß man zwar von Anfang an, wer die Verbrecher sind, doch das mindert die Spannung nicht im geringsten. Besonders interessant zum Beispiel (und namensgebend für das Buch) ist, dass Hilmers »Geist« unsichtbar dem Geschehen beiwohnt. Die Geschichte wird also teilweise auch aus der Sicht von Hilmer erzählt, wobei er allerdings nicht aktiv in das Geschehen eingreift. Der Unsichtbare ist ein beeindruckendes Plädoyer gegen rechtsextreme Gewalt und ihre Folgen.
Jonas Brückner, 12 Jahre (Die LesArtigen)

»Es war an einem der ersten Tage im Mai, als Hilmer Eriksson entdeckte, dass er unsichtbar geworden war.« Hilmer Eriksson ist ein bewundernswerter Junge. Er setzt sich gegen Rechtsradikale ein und hilft bei der Verteidigung von Ausländern. Aber jetzt ist er unsichtbar. Leute, die sich an rechtsradikale Bewegungen angeschlossen haben, haben ihn misshandelt. Die Neonazis Anneli, ein sehr starkes Mädchen, Henrik und Bultermann haben ihn schwer verwundet. Als Hilmer von einem Polizisten, Harald Fors, durch Fragen und Suchaktionen aufgespürt wird, liegt er bereits im Sterben. Die Täter werden kurz vor seinem Tod gefasst. Langsam verweht der unsichtbare Junge nach seinem Tod im Krankenhaus. Seine Freundin Ellen trauert sehr, denn er ist ihre große Liebe gewesen. Sie ist von Hilmer schwanger und froh, dass wenigstens ein Teil von ihm bei ihr bleiben wird.
Dieses Buch ist ein klassischer Krimi, der lesenswert ist. Es hat einen schönen Schreibstil, in dem der Autor alle Objekte in der Nähe erläutert und beschreibt. Man kann sich die Situationen des Buches genau vorstellen: Wenn der Polizist ein Fisherman's Friend in seinem Volvo lutscht, hilft diese genaue Beschreibung, etwas deutlich vor sich zu sehen. Es wird auch nicht nur der Fall beschrieben, sondern man kann auch die »normale« Atmosphäre erkennen. Dass heißt, dass Alltagssituationen eine Rolle spielen und nicht nur der Fall. Aber die Namen sind schwer zu merken. Leute, die das nicht so gut können, müssten fast einen Block und Stift zu Hand nehmen, denn es wird manchmal nur der Vorname, Spitzname oder auch nur der Nachname genannt. Dadurch wird es sehr kompliziert. Es ist auch etwas mühsam, dass fast immer nur wörtliche Rede angewandt wird. Enttäuschend ist es auch, dass Hilmers Gefühle sehr selten beschrieben werden. Dennoch ist »Der Unsichtbare« ein empfehlenswertes Buch.
Anna-Marie Nehl, 13 Jahre (Die LesArtigen)

Am Montagmorgen entdeckt Hilmer Eriksson, dass er unsichtbar ist. Keiner seiner Klassenkameraden bemerkt ihn. Und dann kommt auch noch der Polizist Harald Fors, um die Schüler zu Hilmers Verschwinden zu befragen. Das bringt ihn völlig zur Verzweiflung. Aber es gelingt Hilmer nicht, die anderen auf sich aufmerksam zu machen. Er entschließt sich, die Ermittlungen mit zu verfolgen. Was ist passiert? Hilmer hatte kürzlich in seiner Schule eine Auseinandersetzung mit einer rechtsradikalen Gruppe. Hat sein Verschwinden wirklich etwas damit zu tun? Er kann sich nicht erinnern. Nicht einmal wie seine Eltern aussehen, weiß er.
In »Der Unsichtbare« greift Mats Wahl das erschreckende und stets aktuelle Thema Rechtsradikalismus auf. Er schildert sehr realistisch und genau die Ermittlungen von Harald Fors. Trotz der vielen Einzelheiten wird das Buch nicht langatmig. Auch Hilmers Gefühle werden gut beschrieben.
Eva Christalle, 13 Jahre (Die LesArtigen)

Als Hilmer Eriksson bemerkt, dass er unsichtbar geworden ist, liegt sein Körper schon halbtot im Wald. Während er als »Geist« die Ermittlungen von Kommissar Fors beobachtet, findet dieser bald heraus, dass es an Hilmers Schule eine rechtsradikale Gruppierung gibt. Erst kürzlich hat Hilmer mit dieser einen Konflikt gehabt. Zufall? Dass Hilmers Verschwinden tatsächlich etwas damit zu tun hat und wer die Täter sind, ist eigentlich von Anfang an klar, doch die Spannung wird dadurch nicht im Mindesten gesenkt. Im Gegenteil!
Obwohl Mats Wahl die Hauptfigur »unsichtbar« werden lässt, finde ich die Geschichte sehr realistisch und mitreißend geschrieben.
Laura Kirsch, 12 Jahre (Die LesArtigen)

xyz - wir für uns
Boris Akunin: Pelagia und der rote Hahn, Goldmann Verlag 2004, 542 S.
Ein Mann wird auf einem Schiff tot aufgefunden. Seine leblose Hand umklammert einen abgerissenen Geldschein. Mord, so lautet das Urteil des Untersuchungsführers Dolinin, Raubmord. Es scheint kein besonders interessanter Fall zu sein, zumal der Mörder bekannt ist. Doch der Schein trügt (was sonst?). Bei der Leiche handelt es sich um den Propheten Manuila, der von seinen Anhängern als Messias verehrt und von seinen Feinden als Antichrist geächtet wird - und bereits vor wenigen Wochen ermordet wurde.
Welcher der toten Manuilas ist nun der richtige? Oder lebt der echte gar noch?
Gott sei Dank befindet sich auch die Nonne Pelagia auf dem Schiff, die ihrem Bischof zwar versprochen hat, nie wieder Kriminalfälle zu lösen, nun aber natürlich zu ermitteln beginnt. Kein Wunder, schließlich halten auch ihren Fernsehkollegen Pfarrer Braun, mit dem regelmäßig ein ernstes Wörtchen gesprochen wird, keine Beteuerungen der Welt auf. Es gäbe ja keinen Krimi, wenn der geistliche Ermittler seine Hände tatsächlich in den ehrwürdigen Schoß legen würde. »Pelagia und der rote Hahn« bildet den Abschluss von Boris Akunins Romantrilogie um die kluge Nonne Pelagia, die ihr kriminalistisches Gespür mit der Muttermilch aufgesogen hat. Es ist jedoch nicht nötig, die vorangehenden Fälle gelesen zu haben, um sich an diesem zu erfreuen.
Vielleicht sind es auch zu viele Figuren mit schwierigen Namen, die der Leser in dichter Reihenfolge kennen lernen muss, doch Cliffhanger am Ende der meisten Kapitel verhindern ein voreiliges Weglegen des Buches. Die besonders im ersten Kapitel verwendete Form der erlebten Rede und ein Erzählstil, der kantenlos zu sein scheint, betören. Und welcher Leser kann sich schon häufig verwendeten rhetorischen Fragen entziehen? Der Mordfall gestaltet sich zwar komplizierter als es auf den ersten Blick scheint, aber nur etwas. Lediglich ein Aufbrechen der Chronologie, ein Wechselspiel zwischen mehreren Perspektiven und viele Nebenepisoden verhindern eine allzu schnelle Auflösung - und Langeweile.
Zwar werden die Früchte, die Antisemitismus und Fanatismus schon im 19. Jahrhundert tragen, vor Augen geführt, doch glücklicherweise ohne mahnenden Zeigefinger. Mit einem nie nachlassenden Augenzwinkern wird erzählt: Kuriose, geradezu karikaturhafte Randfiguren wie der profitgierige Fremdenführer Salach, der nicht einmal Herr seines eigenen Harems ist, oder fotografierwütige, allzeit begeisterte Touristen, bevölkern die Seiten des Buches und entringen wohl jedem Leser ein Lächeln. Es ist auch ein großes Glück, dass Pelagia viel reist: Wie Donna Leons Krimis, die zu einem nicht zu verachtenden Teil durch ihre Venedig-Kulisse bestechen, fasziniert Akunins Buch wohl durch die fernen, exotischen Gegenden, in welche die Nonne aufbricht. Manchmal meint man förmlich neben Pelagia zu stehen und an bunten, orientalischen Märkten vorbeizuschlendern, von Kopf bis Fuß verschleierte Frauen zu bestaunen und die Hitze auf der eigenen Stirn zu spüren.
Da es im Gegensatz zum typischen Krimi nicht um eine bloße Mördersuche geht, wird im letzten Kapitel nicht der Vorgang des Mordens samt Motiv vor dem Leser ausgebreitet. Stattdessen liefert es ein Wunder; das Ende ist offen. So kann man die Augen schließen und in seiner Fantasie an Pelagias Seite die letzte Station der Reise antreten. Eine solche Gelegenheit ist das wohl schönste Geschenk, das ein Autor seinem Leser zu bieten hat.
Yulia Marfutova (xyz 25)

Sergio Bambaren: Der träumende Delphin. Eine magische Reise zu dir selbst. Aus d. Engl. v. Sabine Schwenk, Ill. v. Heinke Both, Piper Verlag 1999, 94 S.
»Wir alle haben Träume […] Nur dass manche unermüdlich darum kämpfen, ihre Bestimmung zu erfüllen, wie hoch das Risiko auch sein mag, während andere ihre Träume einfach ignorieren, aus bloßer Angst zu verlieren, was sie besitzen. Ihnen wird niemals bewusst, welchen Sinn ihr Leben eigentlich hat.«
Daniel Delphin ist ein Träumer, einer, der ganz anders ist als all die anderen Delphine in seiner Lagune. Er glaubt an einen Sinn im Leben, der tiefsinniger ist, als Fischen, Essen und Schlafen. Sein Traum, die perfekte Welle zu finden, treibt ihn in die Welt hinaus, lässt ihn Abenteuer bestehen, die Stimme des Meeres hören und seinen Horizont erweitern. Er findet neue Freunde, hilft wo er kann und berührt mit seiner Naivität den Leser zutiefst. Sergio Bambaren verbindet in seinem seit Jahren auf der Bestsellerliste des »Buchreports« verweilenden Roman, seine Liebe für die Weiten und Schönheiten des Ozeans mit seiner Leidenschaft für den Surfsport und beschreibt auf einfach traumhafte Art und Weise die Empfindungen und Erlebnisse des Delphins Daniel. Wer vergessen hat wie man träumt, wird es mit diesem Buch wieder neu erlernen und zwar noch bildreicher und farbenfroher als zuvor. »Der Träumende Delphin« ist eine leichte Lektüre für einen Sonntagnachmittag, wenn die beste Freundin gerade keine Zeit hat, die Familie außer Haus ist oder der Fuß vom letzten Fußballspiel immer noch schmerzt. Es ist auf jeden Fall für alle eine Bereicherung.
Sarah Friedemann (xyz 22)

Chris Bos: Der Club der verliebten Dichter. Erika Klopp Verlag 2003, 203 S., ab 13
Das pinkfarbene Cover mit dem großen Herzen trügt. Eine gewöhnliche Liebesschnulze ist Chris Bos' erster Jugendroman sicher nicht. Den »Club der verliebten Dichter« muss man nicht einmal zwangsläufig als Liebesroman lesen. Natürlich sind - wie der Titel schon sagt - die jungen Dichter, die sich regelmäßig zum Vorlesen ihrer Lyrik treffen, verliebt und schreiben Liebesgedichte. Doch der zweite große Handlungsstrang, in welchem es um Poesie und deren Unvereinbarkeit mit Kommerz geht, ist teilweise reizvoller als der Gefühlswirrwarr einiger Teenager. Die Gedichte der jungen Dichter dienen ihnen jedoch nicht nur zu tiefschürfenden und amüsanten Gesprächen, sondern charakterisieren sie auch. Natürlich sind einige kuriose Gestalten dabei, die für ein kurzweiliges Lesevergnügen sorgen. Da wäre zum Beispiel Herman, der sich stets altertümelnd gibt. Oder Raaf, der aus dem Stegreif eine Ballade über den Stuhlgang eines Ferkels grölt. Es ist fast egal, dass die Charaktere in der Realität sich wohl nie in einer vergleichbaren Konstellation gefunden und so viel Stoff für kleine Nebengeschichten gegeben hätten. Schade ist nur, dass in der zweiten Hälfte des Buches die Diskussionen über Poesie abnehmen und der Ich-Erzähler Lennart zu lange braucht, um schließlich zu erkennen, dass seine vermeintliche große Liebe nie etwas anderes als einen guten Freund in ihm sehen wird. Und dass sie nicht einmal eine gute platonische Freundin abgibt. Ungewöhnlich offen und beinahe kommentarlos werden die Verliebtheiten und Beziehungen aller Clubmitglieder erzählt. Man ahnt, dass der Schauplatz keinesfalls Deutschland sein könnte. Die niederländische Mentalität scheint eine völlig andere zu sein: Die Charaktere handeln ungewohnt aufgeschlossen und es fehlt an Reflexion, an einer Instanz, die urteilt und verurteilt. So wird die Affäre einer Schülerin mit dem sehr viel älteren und verheirateten Chorleiter seelenruhig zur Kenntnis genommen und nicht einmal ansatzweise zum Ausgangspunkt eines moralischen Konfliktes. Dieser lakonische Erzählstil aber macht das Buch erst zu dem, was es ist, verleiht ihm seinen ganz eigenen, ganz persönlichen Charme.
Yulia Marfutova (xyz 24)

Elizabeth Bowen: Das Haus in Paris. Aus dem Engl. v. Sigrid Ruschmeier, Rowohlt Taschenbuch 2005, 406 S.
1935. Ein Haus in Paris bringt zwei Kinder wie zufällig zusammen - für einen Tag.
Leopold, der seine Mutter treffen will, trifft auf Henrietta, ein sensibles und vornehmes Mädchen. Seine trockene und erstaunlich erwachsen wirkende Art und ihr Verständnis stoßen sich ab, trotzdem ziehen sie einander an.
Ms Fisher, Naomi, ist hilfsbereit und melancholisch. Naomi ist geduldig und erträgt alles - wie sie damals die Affäre ihres Verlobten Max mit ihrer besten Freundin Karen duldete. Alle, außer der einfühlsamen Henrietta, verbindet diese Liebesgeschichte.
In dem Wechsel von der Gegenwart zur Vergangenheit erzählt »Das Haus in Paris« die Geschichte von Karen und Max. Karen war eine junge Frau, verlobt, unsicher, aber dennoch selbstbewusst. Und Max war Naomis Mann, ein wenig seltsam, auffallend. Und obwohl Karen zuerst eine Antipathie zu Max verspürt, verleiten sie ein Blick und eine Berührung im Garten dazu, sich zu verlieben. Sie können nicht mehr ohne einander leben.
Das Buch ist eines der besten, das ich je gelesen habe. Die Poesie des Buches liegt in der Erzählweise. Kleinigkeiten, die einem im wahren Leben vielleicht auch bedeutend vorkommen, in Bücher so oft kaum eine Rolle spielen, in diesem jedoch die Hauptrolle übernehmen, lassen einen ins Buch eintauchen, in die Situation. Elizabeth Bowens Stil ist nicht einfach zu beschreiben. Jedes Detail der Geschichte wirkt lebensecht, Reaktionen sind nicht vorherzusehen, die Charaktere sind ungewöhnlich und ungeschliffen. Man sieht, man hört, man spürt den gesamten Roman. Vielleicht ist er melancholisch, vielleicht fühlt man sich ein wenig leer, weil man die ganzen unglücklichen Schicksale so lebendig miterlebt. Nichts wird übertrieben, aber auch nicht vertuscht. Aber es ist großartig, einen Roman zu lesen, der einen berührt und der andres ist, als alles andere.
Julia Suris (xyz 25)

Katharina von Bredow: Verliebt um drei Ecken. Verlag Beltz & Gelberg 2005, 354 S., ab 12
Katrin geht in die neunte Klasse und ihre beste Freundin Frida ist das beliebteste und schönste Mädchen der Schule. Katrin ist stolz darauf, Fridas beste Freundin zu sein, aber als Adam in die Klasse kommt, ist plötzlich alles noch komplizierter als es ohnehin schon ist. Denn Adam ist der tollste Junge, den Katrin je kennen gelernt hat. Aber verlieben darf sie sich nicht, denn Frida hat ein größeres Anrecht auf ihn. Schließlich ist sie Katrins beste Freundin. Und viel hübscher ist sie auch. Aber Adam scheint das anders zu sehen, denn er nimmt Katrin in den Arm, er küsst sie sogar. Weiß er etwa nicht, dass er sich in Frida verlieben soll? Und dann passiert es doch: Katrin verliebt sich in Adam und Adam verliebt sich in Katrin - so stark, dass es nicht mehr zum Aushalten ist.
Ein Roman über die erste große Liebe, über die Freuden und Leiden einer »besten Freundschaft« und darüber, wie dann vielleicht doch noch alles gut werden kann. Mit »Verliebt um drei Ecken« hat Katarina von Bredow wieder einmal einen Roman geschrieben, den man nicht wieder zur Seite legt, ehe man nicht auch das letzte Wort gelesen hat. Für alle unglücklich Verliebten, die nicht verstehen warum die Liebe nicht einfach mal einfach sein kann und alle glücklich Verliebten, die sich wieder zurückerinnern wollen um die Leiden der unglücklich Verliebten besser zu verstehen!
Sarah Friedemann (xyz 22)

Kevin Brooks: Martin Pig. Aus dem Engl. v. Uwe-Michael Gutzschhahn, dtv 2004, 286 S.
»Es gibt Momente im Leben, da musst du Dinge tun, die du absolut nicht willst. Du musst sie tun, du hast keine andere Wahl. Es hat keinen Sinn, sich zu wünschen, die Situation wäre anders, sich zu wünschen, du könntest die Uhr zurückdrehen, sich wünschen, du hättest noch eine zweite Chance, denn die Dinge sind nicht anders, du kannst die Uhr nicht zurückdrehen und du kriegst keine zweite Chance.« S.113
So fühlte sich Martyn Pig oft, besonders nachdem er seinen Vater kurz vor Weihnachten unabsichtlich umbrachte. Aber er ist nicht traurig über das Geschehene, eher geschockt, denn sein Vater war Alkoholiker und nicht sonderlich nett zu ihm. Doch nun hat er ein weiteres Problem am Hals, wohin mit der Leiche? Er konnte nicht zu Polizei gehen, denn er hatte seinen Vater ja selbst umgebracht, er konnte die Leiche nicht einfach im Wohnzimmer liegen lassen, dann dort wohnte er ja schließlich. Hilfesuchend wendet er sich an seine Freundin von gegenüber. Sie half ihm zwar, doch eine wahre Freundin war das auch nicht…
Dieses Buch ist mehr als überraschend, es erstaunt. Die Einfachheit der Sprache, die so viel Wahrheiten über das Leben enthält, alles scheinbar ausgesprochen von einem 15-jährigen Jungen. Was soll ich da noch mehr sagen, außer, dass das Buch sich am besten selbst bewirbt:
»Alkohol. Er saugt dir das Leben aus dem Gesicht und ersetzte es durch seinen eigenen stummen Glanz der Dummheit.« S.123
»Wenn du erst mal akzeptiert hast, dass etwas getan werden muss, egal was, dann schaffst du das gewöhnlich auch.« S.172
Ich könnte endlos so weiter zitieren, denn mein Buch zierten oben einen ganzen Batzen an kleinen Zetteln, die die besten Stellen markierten. Ich habe besonders jetzt im Rückblick angefangen dieses Buch zu lieben, denn so einfach es erscheint, so komplex ist es, wenn man darüber nachdenkt. Und immer mehr dieser Wahrheitsbröcken befördert der Verstand aus dem Meer von gelesenen Worten zu Tage.
»Ich hatte keine Wahl. […] Das Einzige, was du tun kannst, wenn du mit so etwas konfrontiert bist, ist dich fragen: Was ist das Schlimmste, das jetzt passieren kann? Und dann los.« S.113
Das einzige, was ihr noch tun müsst, ist das Buch zu lesen, denn Spaß macht es auf jeden Fall.
Elena Geib (xyz 25)

Adain Chambers: Nachricht aus dem Niemandsland. Ravensburger Verlag 2006, 438 S.
So erfreut ich war, Aidan Chambers mit seinem unglaublichen Wortwitz live erlebt zu haben, so gespannt war ich darauf, ein Buch von ihm zu lesen und so enttäuscht wurde ich von seinem Buch "Nachricht aus dem Niemandsland" schon auf Seite 15, als da folgendes stand:
»Zwei simultane Aktionen brachten [Jack] zu schweigen. Tons Lippen die flüchtig den Geist eines Kusses auf seine hauchten. Und ihre Hand, die seine fest auf ihren Schritt presste, wo er deutlich ein kompaktes Set aus Penis und Hoden fühlte.«
Jack ist ein Tourist in Amsterdam. Er kennt sich folglich nicht sonderlich gut aus. Auf seinem Stadtbummel trifft er auf Ton, ein Mädchen, dass er versucht anzumachen und sie ihm ein Bier spendiert. Als sie wieder los muss, spielt sich die oben zitierte Szene ab.
Ich habe das Buch in einem Regionalexpress gelesen und der Zug war nicht gerade leer, doch als mir der Sinn dieser Passage klar wurde, schrie ich spitz auf und schmiss das Buch meinem Freund in den Schoß. Natürlich drehten alle Leute sich zu mir um, doch ich war noch komplett paralysiert von der Gelesenen, so dass ich es kaum mitbekam. Normalerweise bin ich, weiß Gott, nicht zimperlich, aber das war irgendwie doch zu hart. Ich hatte immer noch dieses Bild des weißhaarigen, spitzbübischen, aber gediegenen Aidan Chambers im Kopf und dann bekomm ich so etwas von ihm zu lesen. Ich habe bis jetzt jedes Buch, das ich angefangen habe zu lesen, tapfer bis zum Schluss verfolgt, doch für dieses Buch habe ich erstmals diese eiserne Regel durchbrochen. Ich habe noch keinen blassen Schimmer, warum der Autor so hoch mit Auszeichnungen dekoriert ist. Wer das Buch trotz dem lesen möchte:
Und wer mich daraufhin eines besseren belehren möchte, der schreibe eine E-Mail an die Redaktion.
Elena Geib (xyz 25)

Eoin Colfer: Artemis Fowl - Die Akte. Aus dem Engl. v. Claudia Feldmann, List Verlag 2006, 173 S.
Wie hat es Holly Short trotz ihres Geschlechts geschafft, Officer der Aufklärung unter Commader Root zu werden? Wie kam es zu der Kooperation zwischen dem jungen Meisterdieb Artemis Fowl und dem goldgierigen und ehrgeizigen Zwerg Mulch Diggums?
Zwei Geschichten, brillant wie jedes der Bücher der »Artemis Fowl«-Reihe, liefern die Antworten. Sie sind komplex, verwoben und voller trockener Humor. Diese Geschichten sind informativ, also das, was ein "Artemis Fowl"-Liebhaber braucht. Das einzige, was man an ihnen aussetzen könnte, ist - zu wenig Artemis Fowl selber. Aber in Kurzgeschichten wie diesen, die beide nicht direkt oder nur zum Teil von Artemis handeln, hätte man ihm kaum einen größeren Part einräumen können. »Die Akte« liefert den Schlüssel zu dem Buch der Unterirdischen (das einer Bibel ähnelt) samt Alphabet. »Die Akte« klärt, was genau die Eigenschaften der verschiedenen Unterirdischen sind, und welche Arten Unterirdischer es überhaupt gibt.
»Die Akte« schließlich charakterisiert die wichtigsten und beliebtesten Helden, außerdem gibt es Interviews mit Artemis Fowl in Person, Butler, Holly Short, Commader Root, dem Zentauren Foaly und Eoin Colfer.
Überall immer noch der für Eoin Colfer üblicher Witz.
Eigentlich könnte man an dieser Stelle sagen, dass dieses Buch perfekt ist.
Tue ich aber nicht, weil es bei mir den fahlen Geschmack der Unzufriedenheit hinterlassen hat.
Nach dem Lesen merkte ich, wie wenig ich eigentlich erfahren hatte - aus diesen 180 Seiten. Die Interviews lassen Artemis Fowl nicht bewundernswerter, Holly Short nicht heldenhafter erscheinen. Das Verzeichnis der Arten der Unterirdischen haben bei mir als begeisterten »Artemis Fowl«-Leserin keine Wissenslücke gefüllt. Und schließlich der Schlüssel zu dem Buch: Seiten, die vor mir gedruckt liegen und darauf warten, entschlüsselt zu werden. Wurde aber nicht in dem ersten »Artemis Fowl«-Band gesagt, dass die Zeichen spiralförmig um die Mitte herum angeordnet sind?! In »Der Akte« war dies nicht der Fall. Hier standen sie europäisch von links nach rechts geschrieben!
Nur die Geschichten waren wirklich wunderbar. Vielleicht hätte Eoin Colfer zwei längere Vorgeschichten, oder mehrere kürzere schreiben können. Ich will einfach mehr von diesen rasanten, witzigen Erzählungen!
Julia Suris (xyz 25)

Eoin Colfer: Meg und die Liste der vier Wünsche. List Verlag 2005
Hat Eoin Colfer eine Vorliebe für irische unvolljährige Verbrecher?! Nun macht nicht nur Artemis Fowl die Welt unsicher, jetzt gibt es auch Meg Finn.
14jährig, vorlaut und doch ziemlich unglücklich bricht sie mit Belch, einem ebenfalls pubertierenden Dieb, bei einem Rentner namens Lowrie McCall ein.
Belchs Pitbull Raptor verbeißt sich jedoch in dem Bein von Lowrie, der die beiden mit einem Gewehr erwischt. Meg und Belch fliehen. Belch ist wütend auf Meg und will ihr Angst einjagen, indem er eine Kugel über ihren Kopf abfeuert. Er schießt genial daneben. Er trifft einen Gastank. Sie sind sofort tot.
Was erwartet einen nach dem Tod? Reinkarnation? Ein unruhiges Herumirren der Seele? Himmel und Hölle? In der Geschichte um Meg Finn ist letzteres der Fall. In dem Tunnel, in dem sich die Wege der verstorbenen scheiden, die Guten mit der blauen Aura durch die Tore des Paradieses schreiten und die Bösen mit der roten Aura für immer dazu verdammt werden, in der Hölle zu schmoren, entfacht Megs Aura, die leuchtend violett ist, einen Streit. Außerdem vermischt sich Belchs Seele mit der seines Hundes - heraus kommt ein bizarres Mensch-Hund-Wesen.
Meg muss noch einmal auf die Erde zurück, um sich das ewige Leben im Paradies zu verdienen, sagt der Apostel Petrus. Satan jedoch begehrt Megs Seele, weil er in ihr Listigkeit und Intelligenz zu entdecken glaubt. Sein Assistent Beelzebub muss in Angst um seinen Job zu allen schmutzigen Tricks greifen, um Megs Geist auf der Erde dazu zu bringen, Böses zu vollbringen, damit sie reif ist für die Hölle. Und was käme ihm da gelegener, als ein Belch-Raptor-Geist, der sich sowieso an Meg rächen will? Der Roman ist »Artemis Fowl« verdächtig ähnlich. Die Hölle ist technisch in etwa auf dem gleichen Stand, wie die Unterirdischen in »Artemis Fowl«. Ansonsten gibt es die oben schon erwähnte Ähnlichkeit der Helden. Die Charakter sind in »Meg Finn« allerdings wieder so erfrischend neu, wie bei »Artemis«, und die Ideenvielfalt und der freche Stil von Eoin Colfer überraschend. Die Konfrontation des Rentners Lowrie und mit der blutjungen Meg, also von Jung und Alt, der typische Kampf von Gut und Böse, die Rache und das Vergeben, sind von Eoin Colfer ungewöhnlich klischeefrei dargestellt. Das vollkommene Happy End war nach der Raserei durch das Dies- und Jenseits ziemlich entspannend. Und so ist das Buch jedem zu empfehlen, der ein "Artemis Fowl"-Fan ist, denn es steht diesem weder im Sujet noch in etwas anderem nach.
Julia Suris (xyz 25)

Zoran Drvenka: Was geht wenn du bleibst. Carlsen Verlag 2005, 83 S.
Ein Gedichtband mal ganz anders, kein Goethe, kein Rilke, einfach nur Zoran Drvenkar. Aneinandergereihte Eindrücke, Erinnerungen, Gefühle, Wünsche, ganz einfach Empfindungen von Zoran, in denen jeder Leser Erinnerungen, Gefühle, Wünsche, ganz einfach Empfindungen von sich wiederentdeckt, die Vergangenheit wieder aufleben und die Neugierde auf das Kommende wachsen lässt. Gedichte, nicht nur für hoffende Jugendliche (Mädchen wie Jungen), die sich finden, noch finden müssen und sich nach Verständnis und Nähe sehnen, sondern auch für L(i)ebenserfahrene, die glauben, noch nicht alle kleinen Eben- und Unebenheiten des Lebens gefunden zu haben.
Zoran Drvenkar gibt mit seinem Gedichtband »Was geht wenn du bleibst« auf einfache, charmante und rührende Art und Weise Einblick in seine Lebens- und Gefühlswelt. Auf jeden Fall ein muss für jedes Bücherregal!!!
Sarah Friedemann (xyz 22)

Monika Feth: Der Mädchenmaler. C. Bertelsmann Verlag 2005, 320 S., ab 14
Ilka hat ihren Vater bei einem Autounfall verloren. Seitdem reagiert ihre Mutter nicht mehr auf ihre Umwelt und lebt in einem Heim. Auch Ilka hat die Vergangenheit weggeschlossen und ein neues Leben begonnen. Von ihrem Bruder Ruben will sie nichts mehr wissen. Nur einer kann die Tür zu ihrem Inneren aufstoßen:
»Mike war der einzige Mensch, dem sie die eine oder andere Tür zu ihrem innern geöffnet hatte. Wenige nur ganz vorsichtig und bloß auf einen schmalen Spalt, jederzeit bereit, sie bei der geringsten Irritation wieder zuzuschlagen. Sie kannte Mike nun seit drei Jahren, aber sie bewegten sich immer noch wie auf Eis.«

Doch was ist es, was sie so unnahbar macht? Genau diese Frage stellen sich auch Jette und Merle, die neuen Mitbewohnerrinnen von Mike. Bevor sie genaueres herausfinden, ist Ilka spurlos verschwunden. Bald gehen sie davon aus, dass Ruben was damit zu tun hat. Warum wollte Ilka bloß keinen Kontakt mehr zu ihm?
Dieses Buch hat genau das, was man von einem guten Thriller erwartet. Der Leser wird noch vor den Protagonisten in die Ereignisse eingeweiht. Die Geschichte kommt ohne langatmige Gedankenabschweifungen zur Sache. Schon nach den ersten Seiten fällt die absolut komische Erzählperspektive auf. Merle erzählt in der Ich-Perspektive. Die anderen Hauptfiguren erhalten auch ihre Textabschnitte, dich sich besonders mit ihren Gedanken befasst - doch jetzt wird wieder in der Erzählerperspektive geschrieben. Eigentlich hatte nur der Name Ilka (der Name meiner Mutter) mein Interesse an diesem Buch geweckt, doch ich konnte es kaum aus der Hand legen, denn - auch das ist zu erwarten - eine solche Handlungskurve zwingt einen zum Weiterlesen.
Maria Grötzinger (xyz 23)

Jana Frey: Der verlorene Blick. Fischer Verlag 2005, 169 S., ab 12
Stell dir vor du bist 15, 25, 35 … Jahre alt und das Leben gehört dir. Du lebst deinen Alltag. Hast eine Familie. Freunde. Liebe. Und plötzlich ist nichts mehr wie es war. Du brauchst Hilfe beim Gehen. Denn du läufst gegen jeden Schrank. Deine Mutter muss dir deine Kleidung wieder auf den Stuhl legen, der neben deinem Bett steht. So wie früher. Denn für dich sehen alle Dinge gleich aus. Vielleicht findest du sie nicht einmal. Nachdem du zu Mittag gegessen hast, siehst du aus wie ein kleines Kind, das gerade ein Eis gegessen hat. Doch wenn du in den Spiegel schaust siehst du nichts. Nichts als Dunkelheit. Stell dir das mal vor!
So geht es Leonie.
Sie lebte wie ein normales Mädchen.
Sie ging zur Schule. Mit all ihren Freunden.
Sie lernte das Leben kennen. Mit ihrer Familie. Und mit Frederick.
Sie hörte vielleicht nur einmal nicht die warnenden Worte ihrer Eltern.
Und plötzlich ... Dunkelheit .
»Der verlorene Blick« beschreibt die Geschichte eines Mädchens, dass lernt, mit den grausamen Folgen eines Unfalls umzugehen. Wieder laufen zu lernen. Wieder leben zu lernen. Zuzulassen, geliebt zu werden und die Ängste, verletzt zu werden, neu zu beherrschen. Ich selbst weiß noch, wie es war, immer wieder zu hören: »Schnall dich an!!!« und die Begründung, die damit verbunden war. Wie damals wächst noch heute der Trotz in mir, weil ich keine Lust habe, immer wieder auf das zu hören, was mir gesagt wurde. Außerdem ist es ohne Sicherheitsgurt viel bequemer als mit - »Ich kann mich doch viel besser bewegen!« Dieses Buch zeigt uns, dass es nicht in unserer Macht liegt ein Auto so zu steuern, dass wir heil zu Hause ankommen. Es ist nicht gut Trotz über Vernunft siegen zu lassen. Es ist nicht gut, zu vergessen einen Handgriff zu tun, der unser Leben so stark beeinflussen kann. Jeder von uns kennt die Warnungen: »Mach keine Kerzen an, wenn du allein zu Hause bist!«, »Geh nicht bei rot über die Straße!« oder »Schnall dich bitte an!«. Leonie ist ein Mädchen, das einmal nicht daran erinnert wurde, was zu tun ist. In einem bestimmten Alter möchte man gern seine eigenen Fehler machen; lies dieses Buch und entscheide dann: Reicht es nicht manchmal, wenn andere für uns Erfahrungen sammeln?
Sarah Friedemann (xyz 23)

Jana Frey: Luft zum Frühstück. Loewe Verlag 2006, 170 S., ab 12
Ihr neustes Werk »Luft zum Frühstück« zeigt die Entwicklung eines Mädchens von den Kindertagen in Italien bis zum Erwachsenwerden in Deutschland, und ihren Wunsch nach dem Dünnsein, der sie bis in die Magersucht treibt. Serafina kommt bald in die achte Klasse. Sie ist gerade in dem Alter, in dem man über sich und die Welt nachdenkt, über andere Menschen und deren Reaktion auf die eigene Person, die Menschen, die man schon ein Leben lang kennt und jene, die man erst mit dem Wechsel von der Grundschule auf die Oberschule kennen lernt. Über Jungen und Mädchen. Als dann Fritz in ihr Leben tritt, einer der Jungen, die den Mädchen (un-)bewusst das Gefühl geben zu dick zu sein, nicht attraktiv zu sein, kommt alles ins Rollen. Das, was als Diät beginnt, artet in konsequentes Hungern aus. Serafina zählt die Kalorien, isst nur noch wenig und als ihre Eltern misstrauisch werden und auf ihre Ernährung achten, ersinnt sie neue Tricks, um nicht essen zu müssen bzw. das Gegessene schnellst möglich wieder aus ihrem Körper heraus zu »schmuggeln«. Durch Hungerkur und übertrieben viel Sport bricht schlussendlich das 1,68 große Mädchen mit 37,5 Kilogramm beim Joggen im Park zusammen.
Die Geschichte von Serafina (Deckname) ist beängstigend authentisch und gleichermaßen fesselnd geschrieben, bald beginnt der Leser ihren Ekel vor fettigem Essen, bei der Beschreibung von Pommes Frites, nachzuempfinden. Ein Roman für all jene, die sich mit dem Thema Magersucht auch auf menschlicher Ebene auseinandersetzten wollen, ebenso wie für jene, die sich vielleicht schon viel zu lang oder viel zu intensiv mit ihrem - viel zu dicken Körper - beschäftigen und alle erdenklichen Diäten erlebt haben. Es bleibt nicht bei dieser einen Geschichte, nicht bei diesem einen Roman, die Grenze zwischen "»Ein-paar-Kilo-abnehmen« und Magersucht/Bulimie ist verdammt schmal, dies wird durch Jana Freys Roman deutlich. Es zeigt, welche gefährlichen Folgen eine unüberlegte Geste oder Bemerkung haben kann und was unsere Gesellschaft mit ihren krankhaft dünnen Schönheitsidealen anrichtet. Bulimie und Magersucht, sowie andere Formen von Essstörungen sind nicht mehr nur bei jungen Mädchen weit verbreitet. Jana Freys Roman zeigt, wie wichtig es für jeden einzelnen von uns ist, sich vor den Spiegel stellen zu können und sagen zu können: Eigentlich bin ich so genau richtig!
Sarah Friedemann (xyz 23)

Jana Frey: Rückwärts ist kein Weg. Loewe Verlag 2005, 176 S., ab 12
Ich habe vor kurzem eine Meinungsrede (gibt es dieses Wort überhaupt) im Unterricht gehört. Eine Rede über Teeniemütter: »Wie kann man in dem Alter schwanger werden?« - War nur eine der aufgebrachten Fragen, die die Rednerin stellte. Für mich stellten sich andere Fragen: Wie kommt es dazu, dass Mädchen bzw. junge Frauen nicht rechtzeitig erkennen, dass sie schwanger sind? Wie kommt es dazu, dass sie sich erst für das Kind entscheiden und dann viel zu spät feststellen, dass sie eigentlich doch noch keine Verantwortung übernehmen wollen oder können? Klar stellt sich auch die Frage, wie man in dem Alter schwanger werden kann. Aber schwanger werden auch Erwachsene, die dann kurzerhand abtreiben. Oder nicht? Wo bleiben die Erwachsenen, die Eltern und Lehrer, die die Verantwortung dafür tragen wollen, dass nicht mehr richtig aufgeklärt wird? Die 30-, 40-, 50-jährigen, die fast wöchentlich den Bettpartner wechseln, weil sie allein erziehend sind und sich einsam fühlen. Oder die, die nur zeitweilig mit den Kindern der Schwester konfrontiert sind, sich aber nicht die Mühe machen wollen, für diese Zeit einen verantwortungsbewussten Menschen vorzuheucheln. Wann begreifen diese Menschen, dass sie beeinflussen und Persönlichkeiten mitformen? Wenn dann ans Licht kommt, dass das eigene Kind oder der Neffe schon mit 15 Jahren die Elternpflichten übernehmen müssen, wird nur der Kopf geschüttelt! Wie konnte es nur dazu kommen?
Kinder sehnen sich ebenfalls nach Nähe, das sollten Väter und Mütter sehen. Wenn Kindern vorgelebt wird, dass man dieses Gefühl von Einsamkeit durch Körperkontakt zu anderen Menschen abstellen oder überspielen kann, wird das Alter in dem werdende Frauen und Männer auf Tuchfühlung gehen immer geringer.
Jana Frey macht mit dem Roman »Rückwärts ist kein Weg« eben dies deutlich: Lilli ist 14 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einer kleinen Wohnung. Ihren Vater hat sie nie kennen gelernt, denn er wollte die Verantwortung für ein Kind so früh in seinem Leben nicht übernehmen. Ihre Mutter ist noch sehr jung auch ihre Großmutter war sehr jung als sie ein Kind bekam. Die Großmutter ähnelt ihr sehr, das sagt zumindest ihre Mutter. Sie hat zwei Freundinnen, die oft von ihren Vätern von der Schule abgeholt werden oder mit ihnen das ganze Wochenende verbringen. Lilli nicht. Als Lilli Fotografien für eine Schulaufgabe macht, lernt sie David kennen. Die beiden mögen sich sehr. So wie das eben ist. Die erste große Liebe. Es gibt nichts anderes mehr um dich herum. Nur er oder sie ist noch wichtig. Das ist ein schönes Gefühl und man hofft, dass es nie vergeht. Dann kommt man sich näher und wird unvorsichtig ohne es selbst als Unvorsichtigkeit zu begreifen. Als Mädchen denkt man dann: »Ich bin kurz vor der Regel, da kann ich ja nicht schwanger werden, also ist die Verhütung nicht mehr so wichtig und ohne soll es so wie so viel schöner sein - gefühlsechter!!!« Dann bekommt man seine Regel und man macht sich keine Gedanken mehr. Warum auch?! Was alles passieren kann, beim ersten und zweiten Mal führt einem niemand vor Augen. Irgendwann in der sechsten Klasse wird das Thema Sexualität ganz theoretisch betrachtet: Wie sind das männliche und das weibliche Geschlechtsorgan aufgebaut? Wie entsteht ein Kind?
In einem Alter, in dem mit dem Banknachbarn darüber getuschelt und gekichert wird, werden solche Fragen im Unterricht gestellt! Später vielleicht noch mal in der neunten Klasse: Wie funktioniert eine Abtreibung? Genau so ist es bei Lilli und David: Das erste Mal, ganz aufregend, dann bekommt Lilli ihre Regel und alles ist gut… Als sie erkennt, dass sie schwanger ist, ist es schon fast zu spät und sie muss sich entscheiden! Sie entscheidet sich für das Kind, denn sie und David lieben sich ja, ihr Kind wird also später eine richtige Familie haben. An diesem Punkt könnte man jetzt über die Naivität eines unerfahrenen Mädchens schmunzeln, aber mal ganz ehrlich: Haben wir nicht alle einmal so gedacht, als wir so richtig verliebt waren? Wie hätten wir selbst entschieden, mit einem Kind im Bauch, verliebt, richtig verliebt, mit Träumen von einem langen und glücklichen Leben mit nur dieser einen Person und ganz vielen Kindern. Viele werden sagen: UNREALISTISCH! Andere wiederum träumen ihr Leben lang von einer solchen Liebe…
»Rückwärts ist kein Weg« ist ein Buch, das aufklärt. Ein Buch, das davor warnt, sich leichtfertig eine Meinung zu bilden über junge Mütter und Väter. Ein Buch, das Fragen aufwirft, die rechtzeitig beantwortet werden sollten. Fragen, die uns vielleicht schon lange beschäftigen und hier geklärt werden. Man kann es allein lesen, wenn man »einfach nur« verstehen will. Man kann es zusammen lesen, vielleicht Eltern mit den eigenen Kindern, die gerade in das »kritische« Alter kommen um sich gemeinsam damit auseinander zusetzen. Vielleicht ist es auch als Leselektüre in der Schule gut geeignet, um sich nicht mehr nur theoretisch mit dem Aufbau der Geschlechtsorgane auseinander zusetzen. Vielleicht wird es einfach zu oft gesagt und deshalb hört niemand mehr darauf, aber es sind nicht nur Kinder, die teilweise viel zu früh den Weg auf diese Welt finden. Es sind auch Krankheiten wie Aids und Hepatitis, die auf diese unbedachte Weise weiter verbreitet werden. Es ist euer Leben, ihr wisst, was ihr lernt im Laufe eures Lebens, unwissend wird keiner von euch auf die Gesellschaft »losgelassen«, nutzt eure Köpfe und das was sie enthalten, wozu habt ihr sie sonst? Eltern, Lehrer, alle erwachsene Menschen, die so gern die Verantwortung von sich weisen: Es ist mehr als nur das Kopfschütteln, das zu euren Aufgaben zählt!
Sarah Friedemann (xyz 23)

Jana Frey: Sackgasse Freiheit. Loewe Verlag 2005, 192 S., ab 12
Für jeden ist es schwer vorstellbar, wenn er/sie davon hört, dass das hübsche Mädchen von nebenan oder der verhaltensausfällige Banknachbar in der Schule geschlagen wird. Das is