Der Abend wiegte schon die Erde
Jugendlesenacht ab 14
Eva, Adam und ich
Buch: Jürg Schubiger: Als die Welt noch jung war, Illu. von Rotraut Susanne Berner, Beltz & Gelberg, 1996, 174 S., ab 10
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Veranstaltungskonzept: Die Idee
Wer bin ich? Was ist der Mensch? Was ist männlich, was weiblich? Was bedeutet
Glück? In keinem Lebensalter stellen sich diese Fragen so rigoros wie in der
Adoleszenz. Somit ist die gleichnamige Adoleszenzliteratur prädestiniert für
Jugendlesenächte. Das kulturelle Gedächtnis der Menschheit hält jedoch unzählige
Beispielgeschichten aus Mythologie und Weltkunst bereit, welche auf die Zeitlosigkeit
des Themas verweisen. Die vorgestellte Jugendlesenacht verknüpft überlieferte
Geschichten mit modernen Adaptionen aus Literatur und Bildender Kunst.
Vergangene und heutige Lebensgefühle werden so verbunden und ästhetisch
vermittelte Formen wie Symbole, Gleichnisse, Motive, Namen, Verhaltensmuster bewusst gemacht.
Adam und Eva gelten in unserem Kulturkreis als erste Menschen, erste Ichs, erste
Vertreter ihres jeweiligen Geschlechts und notgedrungen als erstes Paar.
Welche Geschlechterrollen zeigen sich in den Überlieferungen? Welche begegnen
uns in aktuellen Texten? Sind männliche und weibliche Rollen aus der Art des
erzählenden Ichs zu ermitteln? Alle Diskurse geben keine erschöpfenden Antworten,
sondern bleiben intellektuelle und/oder emotionale Anregung. Aber sie sollen Lust
auf mehr Kunstgenuss machen! Ein gemeinsam gedeckter Tisch als zeitlos-sozialer
Treffpunkt, bestückt mit »erlesenen« Speisen, vermittelt allen Teilnehmerinnen einen
Geschmack vom Thema bzw. dem literarischen Ort des Geschehens. Und was kann lukullisch mit dem literarischen Ort Paradies verbunden sein?
Natürlich der Apfel, täglich zu essendes gesundes Nahrungsmittel und gleichzeitig unsterbliches Symbol für Verführung und
Versuchung.
Dauer: ca. 5-6 Std.
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Veranstaltungsablauf
Um dieses Symbol aus Literatur und Kunst ganz alltäglich einzuführen, erhalten die
angemeldeten Jugendlichen rechtzeitig eine Einladungskarte:
»Wir laden Dich herzlich zur Jugendlesenacht ein. Bitte denk an den Schlafsack und die schriftliche Erlaubnis
Deiner Eltern für die Übernachtung. Für das gemeinsame Abendbrot bitten wir Dich eine große
Flasche Apfelsaft mitzubringen. Bis bald und herzliche Grüße aus dem LesArt«
Auf den anderen Karten wird der Apfelsaft ersetzt durch: ein Pfund Äpfel, Apfelkuchen, Apfelmus, Apfelgelee, Apfelkompott...
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Einstieg
Am Beginn der Jugendlesenacht legen die Jugendlichen ihre mitgebrachten
(Apfel)Speisen in einen Picknickkorb und erhalten dafür ein kreisrundes
Bild
mit merkwürdigen Punkten.
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Begrüßung
Das Thema der Jugendlesenacht beginnt mit den Deutungen der merkwürdigen Bild-Symbole...
Alle Assoziationen sind hilfreich, letztlich einigen sich alle darauf, dass die
Symbole den fünf Sinnen entsprechen: sehen, tasten, riechen, hören, schmecken.
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Arbeitsgruppen
In drei Räumen wird Apfelartiges geschmeckt, gerochen, getastet. Dazu tragen die
Teilnehmerinnen Masken. Was sie essen, trinken, riechen oder tasten haben sie selbst mitgebracht.
Was sie hören, ist auf einer Kassette mit dem Geräusch vorbereitet, das entsteht, wenn jemand in einen Apfel beißt.
Die Seher-Gruppe erspäht durch ein Schlüsselloch eine Illustration, auf der etwas fehlt.
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Gespräch
Vom Sinnesparcour zurückgekehrt, berichten die fünf Gruppen ihre Erlebnisse.
Das allen Gemeinsame? Natürlich der Apfel! Was verbinden die Teilnehmerinnen mit dem
Wort Apfel? In welchen Geschichten oder Bildern kommen Äpfel vor?
Die Bedeutung des Apfels in seiner alltäglichen Verwendung (die Teilnehmerinnen erinnern
ihre mitgebrachten Apfelspeisen) bis hin zum Symbol der Verführung und Versuchung in
Literatur und Kunst schält sich deutlich heraus. Die Teilnehmerinnen sind am literarischen
Ort Paradies bzw. Garten Eden angekommen.
Wann war das eigentlich? Früher? Damals? Vor langer Zeit? Genau!
Als die Welt noch jung war.
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Dialogisches Vorlesen unter Einbeziehung der Teilnehmer
»Paradies hieß die Welt als sie noch jung war. Menschen, Tiere, Pflanzen, Berge und Täler
waren eben erst angekommen. Sie begrüßten einander. Ich heiße... und Sie?«
Die Teilnehmerinnen stellen sich vor... Dann geht es weiter im Text - und zwar mit Adam
und Eva als erste und bisher einzige Menschen.
Eva: »Wie ich sehe, sind wir hier die
einzigen Menschen. Wir werden einander wohl heiraten müssen.« (Auf dieses Selbstverständnis wird später im Gespräch um männliche und weibliche
Rollenbilder zurückgegriffen.)
Dass sich Adam und Eva am Ende »Du« sagen wollen und das Ganze glücklich endet, lässt
den Autor abbrechen, »solange sie sich noch lieben...«.
Lieber noch einmal von vorn!
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Vorlesen durch die Teilnehmerinnen
Jürg Schubiger spielt mit seiner Titelgeschichte den Weltanfang in vier Varianten durch. Die
Gruppe liest eine weitere Variante anhand von nummerierten Textteilen vor.
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Erzählrunde mit Apfelschälen
Da laut Autor diese Geschichte »kein Ende hat, sondern nur viele Anfänge«, fügen die
Teilnehmerinnen ganz in dessen Sinne eine fünfte, eigene Geschichte hinzu.
Den Anfang liefert eine erzählerische Vorgabe, woran später in
Bezug auf männliche und weibliche Charakteristika angeknüpft werden kann. (20 Sek., 280 KB)
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Abendessen
Das Ende der Geschichte mündet in ein Picknick im Paradies, natürlich mit Apfelsaft und
Apfelkuchen... Im Laufe des Essens werden die Charakteristika von Adam und Eva sowohl
im Schubiger-Text als auch in der selbst erfundenen Geschichte genauer befragt. Gibt es
klare Rollenzuschreibungen oder nicht? Was ist gemeinhin unter männlich bzw. weiblich zu verstehen?
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Anonyme Schreib-Aktion »Typisch männlich, typisch weiblich?!«
Es kursieren mit den Männlich- und Weiblichkeits-Symbolen gekennzeichnete Briefumschläge.
Die Auffassungen der Jugendlichen werden diskutiert und demokratisch abgestimmt.
Streitfälle gehören in eine Mitte.
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Paarbildung über Sprichwörter
Sind die Jugendlichen mit den Aussagen der Sprichwörter einverstanden?
Wie alt könnten diese Sprichwörter sein? Spielt ihre Herkunft eine Rolle? (1 Min., 1 MB)
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Malaktion
Die Paare erhalten nur einen Stift: Malt bitte gemeinsam zuerst einen Baum, aber ohne euch sprachlich zu verständigen...
Dann: Eine Schlange umringelt den Baum.
Und danach: Am Baum hängt ein Apfel.
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Auswertungs-Gespräch
Welche Gefühle hatten die Ichs? Wer dominierte beim Malen? Wer ließ sich führen? Gab es
nonverbale Verständigungen? Veränderten sich Empfindungen im Laufe der Aufgabe? Was
haben diese Erfahrungen möglicherweise mit Partnerschaft zu tun?
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Überleitung zur aktuellen Adoleszenzliteratur
»Wollen wir baden?« fragt sie.
»Ja, klar«, sage ich, und wir gehen zum Swimmingpool.
Auf dem Weg kommen wir an ein paar Apfelbäumen vorbei. Sie stellt sich auf die Zehenspitzen, um einen Apfel zu pflücken,
wischt ihn am Pullover ab und reicht ihn mir. »Bitteschön«.
Ich beiße rein. Mein Mund scheint zu schrumpfen. Ich gebe ihn zurück, und sie nimmt auch einen Biss.
»Ich liebe saure Äpfel«, sagt sie und knöpft ihre Jeans auf.
(aus Mats Wahl: Winterbucht. Anrich 1995, S. 9)
Worauf spielt diese Szene an? Ist das erzählende Ich ein männliches oder ein weibliches?
Zeigen sich tradierte Rollenmuster?
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Paarweise Lektüre von Ich-Perspektiven
In aktuellen Jugendbüchern erzählen männliche und weibliche Ichs von ihren
Glücksvorstellungen, ihren Selbst- , Fremd- oder Idealbildern.
Aufgabe: Ist in der Art, über sich, andere und die Welt zu erzählen, erkennbar, ob ein
männliches oder weibliches Ich spricht?
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Diskussionsrunde
Die Paare stellen ihren Text vor und begründen ihre Entscheidung für bzw. gegen »männlich«
oder »weiblich« und stellen sich damit der Diskussion.
Wer nun neugierig auf die Bücher ist, kann lesen.
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